Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Textbuch zu Th. Schreibers kulturhistorischem Bilderatlas des klassischen Altertums
Person:
Bernhardi, Kurt
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701022
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1702282
Kultus. 
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brannt, in der Regel die in Fett eingehüllten Schenkel- 
stücke (vgl. 16,8), die regeln1ässig' auch bei den Tier- 
opfern der Ägypter für diesen Zweck bestimmt wurden, 
sowie wenigstens in homerischer Zeit die Zungen. Das 
übrige Fleisch verzehrten die Festgenossen als Gäste des 
Gottes; es müfste denn sein, dafs das Opfer einer ge- 
fürchteten oder verabscheuten Gottheit dargebracht wird, 
bei der der Mensch nicht Tischgenosse sein mag, wie den 
Göttern der Stürme oder dem Gotte der Unterwelt, in 
welchem Falle das ganze Tier verbrannt, verscharrt oder 
ins Meer geworfen wird. 
In homerischer Zeit vollzieht sich das Opfer noch 
in einfachen Formen. Wenn das Opfertier an den Altar 
geführt ist, bereiten sich die Festgenossen durch Waschen 
der Hände auf die Feier vor, dann tritt der Veranstalter 
des Opfers an das Tier heran, schneidet ein Büschel 
Stirnhaare ab, wirft es in das Feuer und spricht das 
Opfergebet. Nun werfen die andern Teilnehmer an der 
Feier, die sich rings im Kreise aufgestellt haben, die 
Opfergerste, die sie während des Gebetes in der Hand 
gehalten hatten, auf das Altarfeuer und auf den Nacken 
des Opfertieres. Nachdem sodann das letztere getötet 
ist, werden die Schenkelstücke in das Feuer gelegt und auf 
dieselben eine Weihespende von mit Wasser gemischtem 
Weine ausgegossen. Damit schliefst der erste Teil der 
heiligen Handlung; es folgt die Festmahlzeit. Die spätere 
Zeit war bestrebt, durch mancherlei Zuthaten die Feier 
festlicher zu gestalten. In Anknüpfung an den volks- 
tümlichen Baumkultus wurden jetzt die Kränze und die 
bald mit ihnen verbundenen, bald sie vertretenden heiligen 
Wollbinden in den Gottesdienst eingeführt. Indem man 
mit dem Laube derjenigen Baumart, die der gefeierten 
Gottheit heilig war oder doch zu ihr in Beziehung stand, 
sich selbst und alles schmückte, was an dem Feste Anteil
        

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