Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Textbuch zu Th. Schreibers kulturhistorischem Bilderatlas des klassischen Altertums
Person:
Bernhardi, Kurt
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701022
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1702271
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Kultus. 
Es ist keineswegslgleichgültig, Welche Art des Opfers 
dem einzelnen Gotte dargebracht Wird. Die Kenntnis 
davon, Welche Opferspeise oder Welcher Opfertrank 
einer Gottheit am angenehmsten ist, zu welchen Zeiten 
die Darbringung zu erfolgen hat und Welche heilige 
Gebräuche dabei zu beobachten sind, bildet einen Wesent- 
lichen Bestandteil der priesterlichen Wissenschaft. Man- 
cher Gottheit sind nur unblutige Opfer willkommen, also 
die Früchte des Feldes oder der Bäume, besonders die 
Erstlinge der Jahresernte; aber bei Weitem den meisten 
Göttern Werden Tieropfer veranstaltet, Welche mit 
einer Darbringung von Früchten aller Art, besonders aber 
von der bei den Griechen unvermengten, bei den Römern 
aber mit Salz zubereiteten Opfergerste verbunden zu sein 
pflegen. Unter den Tieren sind es namentlich die ge- 
zähmten Herdentiere, Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine, 
welche zum Opfer sich eignen (12,10; 15,1; 16,8; 
17, 1,3 u.  Nur vereinzelt finden wir auch andere 
Tiere zugelassen, wie Wildpret für ein Opfer der Jagd- 
göttin (vgl. 14, 4). Diese Beschränkung mag aus einer Zeit 
stammen, in welcher man, Wie Wir es bei den homerischen 
Helden sehen, nur im Falle der Not sich zum Genufs 
VOD 
anderem 
Fleische 
als 
dem 
der 
erwähnten 
Haustiere 
entschlofs. Denn menschliche Mahlzeit und göttliches 
Opfer hat die Sitte der Alten von jeher in enge Be- 
Ziehung zu einander gesetzt. Das Tier wird zwar als 
solches der Gottheit geschenkt; diese seine Bestimmung 
wird sinnbildlich durch mancherlei Opferhandlungen, iwie 
Bekränzung desselben und Behängung mit heiligen Bin- 
den, Bewerten mit Opfergerste, auch durch das Ab- 
schneiden der Stirnhaare, die ins Opferfeuer geworfen 
werden, sowie durch Besprengung des Altars mit dem 
ersten Blute des getöteten Tieres zum Ausdruck ge- 
bracht; aber nur ein Teil desselben Wird Wirklich ver-
        

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