Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Textbuch zu Th. Schreibers kulturhistorischem Bilderatlas des klassischen Altertums
Person:
Bernhardi, Kurt
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701022
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1701372
Theaterwesc 
sind Wir nur unzureichend unterrichtet. Doch wissen wir, 
dafs die Anfänge der neuen Dichtungsart wie die Keime 
fast jeder Kunstübung der Griechen in engster Beziehung 
zu dem Gottesdienste standen. Der Dionysoskult, ur- 
sprünglich von Thrazien her mit rohen Gebräuchen nach 
Attika verpflanzt, dort aber dem Geiste; des Volkes ent- 
sprechend veredelt, war es, an den die Erfindung des 
Dramas anknüpfte. Bei Gelegenheit des Bocksopfers, 
Welches man dem Weingotte an seinem Feste darbrachte, 
trugen ländliche Verehrer des Gottes in Satyrtracht 
schwärmerisch begeisterte Chorgesänge vor, indem sie 
dabei in Tanzbewegungen den Altar des Gottes um- 
schritten. Aus diesen Opferliedern, den sogenannten 
Dithyramben, in denen die Kämpfe und Leiden des 
Gottes besungen wurden, hat sich im Laufe des sechsten 
Jahrhunderts v. Chr. die Tragödie, d. h. Bocksgesang, 
entwickelt, indem die Pausen des Gesanges von einem 
Einzelnen durch Erzählungen aus dem Bacchusmythus 
oder auch durch ein Wechselgespräch mit den Mitgliedern 
des Chores, den Choreuten, das sich über denselben 
Stoff erging, ausgefüllt Wurden. 
Diese Aufgabe übernahm wahrscheinlich der Dichter 
und Komponist der vorgetragenen Gesänge, der zugleich 
als Chorlehrer durch Vorsingen des Textes die Choreuten 
eingeübt hatte. Ordnung und Regel brachte in diesen 
Wechsel zwischen Gesang einerseits und Zwiegespräch 
oder Erzählung anderseits erst der von Peisistratos nach 
Athen berufene Dichter Thespis, weshalb spätere Schrift- 
steller ihm geradezu die Einführung des ersten Schau- 
spielers oder überhaupt die Erfindung der Tragödie zu- 
schreiben. Von diesen Anfängen aus ging die neue 
Dichtungsgattung rasch ihrer völligen Ausbildung ent- 
gegen. Um eine lebensvollere dramatische Handlung zu 
ermöglichen, fügte schon Äschylus einen zweiten Schau-
        

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