Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1693363
Zweite Periode. 
67 
Ueber p ortugiesis ehe 
hunderts angehören dürften, 
Bauten, welche der Frühgothik des 12, 
liegt bis jetzt Nichts vor. 
Jahr- 
talien. 
In Italien, in verschiedenen Punkten des Landes, machen sich die 
Versuche zur Einführung des gothisehen Systems schon mit der Frühzeit 
des 13. Jahrhunderts bemerklich. Aber es ist bereits (I, S. 540) darauf 
hingedeutet worden, dass hier der Romanismus sein Feld mit zäher Ener- 
gie behauptete. Nicht nur ward (wie z. B. in Deutschland) längere Zeit 
hindurch zur Seite der gothischen Versuche in romanischen Stylformen 
gebaut; nicht nur ward (wie z. B. in England) die räumliche Grundstim- 
mung der romanischen Epoche gewahrt und den gothischen Elementen 
mehr nur in der Fülle der Einzelfcrnien ihr Recht angethan; auch die 
wirkliche Composition des Baues, dessen Meister sich der Gothik zuzu- 
wenden scheint, ist häulig die überlieferte romanische, während nur diese 
oder jene Motive der Detailbehandlung, der Gliederung, der schmücken- 
den Zuthat den Anschluss an den gothischen Zeitgeschmack bekunden. 
Es entstehen hiedurch Mischformen, die in der That ebenso gut dem R0- 
manismus wie der Gothik zugezählt werden können und bei denen nur 
der überwiegende geistige Zug,  Dasjenige, was der eigentlich künst- 
lerischen Beseelung des Werkes angehört, den Ausschlag für die Classi- 
ficirung desselben nach der einen oder der andern Seite zu geben vermag. 
Das 13. Jahrhundert hat eigenthümlich merkwürdige Werke der Art, bei 
denen der bewegende Hauch im Sinne der Gothik über die romanische 
Grundform ergossen ist. Das dekorative Element erscheint somit auch 
hier, und völlig überwiegend, als das der Natur dieser Verhältnisse ge- 
mäss Entscheidende; aber es entfaltet sich, auf der ruhig schlichten Ge- 
messenheit der gegebenen Grundformen, selbst in vorherrschend klaren 
Grundzügen, denen sich das zierliche Spiel des Einzelnen ebenso gemes- 
sen einreiht. 
An sich erscheinen die Leistungen der italienischen Frühgothik nach 
-den verschiedenen Districten des Landes, nach den Lokalschulen, nach 
der Richtung der einzelnen Meister, deren Individualität unter solchen 
Umständen wesentlich mit in's Gewicht fallen musste, sehr verschieden. 
Zunächst sind die Gruppen der toskanischen Monumente von Be- 
ideutung. Hier tritt der gothische Styl mit einem Bauwerke von gewich- 
tiger Bedeutung ein, mit der Kirche S. Francesco zu Assisi (1228 bis 
1253), der Mutterkirche des auch für die baugeschichtliche Entwickelung 
:so einiiussreichen Franciskanerordens. Sie besteht aus einer geräumigen, 
noch übergangsartig behandelten Unterkirche und aus einem Oberbau, 
welcher das gothische System in strenger und klarer Entwickelung, im 
Aeusseren in einfach massenhaftem Charakter und mit schlichter Bach 
geneigter Bedachung (nach der üblichen Bauart des Südens) zeigt. Der 
erste Meister des Baues war ein Deutscher, Jacobus; der zur Zeit des 
Beginnes noch gänzlich unentwickelte Zustand der Gothik in Deutschland 
verstattet es aber nicht, das System von dort herzuleiten.
        

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