Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1693298
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Styles. 
Die Kunst des gothischen 
Mittelthurm in Betracht.  Die Facade der Prioreikirche von Binha m 
und die der Ruine der Abteikirche von Oroyland zeigen eine Nachbil- 
dung der glänzenden Maasswerkmuster von Lincoln. 
Die kleine Kathedrale von Lichfieldl zeigt in ihren westlichen 
Theilen, bei zierlich reicher Ausstattung, ein ähnliches Bestreben zur 
Combinirung englischer und französischer Motive, doch in erheblich ge- 
ringerer gegenseitiger Durchdringung. Der zweithürmige Facadenbau 
ordnet sich wesentlich nach französischem Princip, entbehrt aber aller 
kräftigen Grundzüge des letzteren (selbst der Strebepfeiler) und ist wie- 
derum mit willkürlich kleiner Dekoration bedeckt. Die Osttheile sind 
zumeist aus beträchtlich späterer Zeit. 
Die Abteikirche von Westminster zu London (seit 1245) ist das 
einzige Beispiel einer unbedingten Aufnahme des französischen Systems, 
im Ohorplane mit Umgang und Kapellenkranz, im Aufbau mit mächtig 
emporstrebenden Verhältnissen, der hierauf bezüglichen Organisation der 
Innenformen, der Entwickelung des Strebesystems im Aeusseren. Dabei 
ist das Ganze auf ein ernstes und strenges Gesetz zurückgeführt, das, 
allem dekorativen Ueberiiuss abgethan, nur durch seine eigne Hoheit in 
Verhältnissen und entscheidenden Formen wirkt. Englisch nationelle Bil- 
dungsweise wird nur in untergeordneten Detailformen ersichtlich. (Die 
mittlere Chorkapelle musste später der Prachtkapelle Heinrichs VII. wei- 
chen. Der Facadenbau rührt erst aus dem 18. Jahrhundert her.)  Ver- 
wandte Planform hat ausserdem nur der Chor der Abteikirche von Tew- 
kesbury. 
Vorzüglich bezeichnende Beispiele für das englisch frühgothische Sy- 
stem und für den Stufengang seiner Entwickelung sind ferner in einer 
Reihe von Kapitelhäusern enthalten. Das "bei der Kathedrale von 
Oxford ist einfach viereckig, in zierlich edelm Frühcharakter. Die üb- 
rigen sind polygonisch, zumeist mit einer das Gewölbe stützenden Mittel- 
säule: das Kapitelhaus zu Lincoln, in sehmuckreicher Strenge;  das 
zu Lichfield, in üppiger Ornamentik; 4 das von Westminster, in 
dem strengem Charakter des Kirchenbaues; das zu Salisbury, schon 
aus der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, in vorzüglich gediegener Würde 
und einer Entfaltung des gothischen Systems von reichem Adel;  das 
zu York, aus der Spätzeit des Jahrhunderts, ebenfalls reich und bedeu- 
tend, aber schon von etwas geringerer Durchbildung;  das zu Wells, 
um 1300, mit mehr willkürlichen Formen, merkwürdig durch einen kryp- 
tenartigen Unterbau. 
ImUebrigen fehlt es nicht an einer erheblichen Zahl kleinerer Stadt- 
kirchen, welche die Typen der Epoche des 13. Jahrhunderts tragen. Zu- 
weilen kommt bei diesen jener primitive Uebergang von der Form ein- 
facher Lanzetfenster zu der Maasswerkgruppirung vor, der in Frankreich 
an der Kathedrale von Soissons, an der Kirche ven Sh Leu d'Eese1-ent 
(S. 18) u. s. w. angemerkt wurde. Als derartige Beispiele sind die Kir- 
chen von Bronsover (Warwickshire) und von Oetgersteek (Nerfhamp- 
tonshire) zu nennen. 
Denkmäler der Kunst,
        

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