Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1693171
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Die Kunst des gothisehen Styles. 
eine Anlage, welche das französische Motiv in derber, zumeist noch la- 
stender Schwere zur Erscheinung bringt. (Ihr Schiff ist ein etwas jünge- 
rer Hallenbau.)  
Dagegen nimmt der Dom von Halberstadt, d. h. der westliche, 
an den Facadenbau (I, S. 508) zunächst anstossende Theil seiner Vorder- 
schiffe, das französische System mit glücklichstem Verständniss auf und 
giebt demselben, in den gegenseitigen Verhältnissen, in der Zusammen- 
ordnung, in der Gliederung, eine Durchbildung reinsten Adels. (Dasselbe 
System, aber in jüngerer Behandlung, setzt sich in den übrigen Theilen fort.) 
Dem Hallenbau der hessiseh-westphälischen Lande folgen nur wenig 
Denkmale. In einfach edler Behandlung ist diess bei dem Schiffbau der 
Kirche von Nienburg der Fall.  Die Marienkirche zu Heiligenstadt 
giebt das System in eigenthümlicher Fassung, im Innern mit achteckigen 
Pfeilern, die auf den Ecken mit Diensten besetzt sind. Ein ansprechen- 
der frühgothischer Dekorativbau ist die zur Seite dieser Kirche stehende 
kleine Annakapelle.  Noch eigenthünalicher ist der in der zweiten Hälfte 
des 13. Jahrhunderts begonnene und in der ersten Hälfte des folgenden 
in seinen Haupttheilen beendete Dom von Meissen. Er hat im Innern, 
wiederum auf der Grundlage romanischer Tradition (oder unter Einwir- 
kung jener höchst vereinfachten gothischen Ordensbauten) viereckige Pfei- 
ler, welche an der Vorder- und der Hinterseite mit flüssig bewegter 
Gliederung versehen sind. Ein eigenes Wechselspiel massenhaft gebun- 
dener Kraft und leichter Bewegung macht sich hienach bei der Wirkung 
des Innenraumes geltend. (Die Pfeiler zunächst dem Querschiif, etwas 
schlichter behandelt als die übrigen, gehören noch der Bauepoche des 
13. Jahrhunderts, die übrigen der folgenden an.) Einzelne Theile, wie 
der südliche Giebel des Querschiffes, in charakteristisch dekorativer Be- 
handlung. 'Neben dem Dom die Magdalenenkapelle und die zierlich 
achteckige zweigeschossige Johanniskapelle. (1291) 
Noch mehr vereinzelt sind die Monumente der frühgothischen Epoche 
in den übrigen deutschen Landen. 
Die böhmischen, im nähern Verhältniss zu den sächsischen, reihen 
sich zunächst an. Romanische Reminiscenz macht sichi auch hier noch 
geltend. So an der schon (I, S. 510) erwähnten kleinen Kirche der heil. 
Agnes zu Prag. S0 an dem vorzüglich bedeutenden Schiffbau der Bar- 
tholomäuskirche zu Kolin, einem Hallenbau, der sich von romanisirender 
Grundstimmung aus energisch entwickelt und durch reiche vegetative 
Ornamentik ausgezeichnet ist, und an der in gleicher Weise behandelten 
Kirche von Kaurzim.  Ein sehr schlichtes Werk friihgothischer Fas- 
sung, ohne Romanismen, ist die alte Synagoge zu Prag. 
 Franken hat in dem östlichen Chortheil der Münsterkirche von 
Heilsbronn (1263-80) ein schlichtes Beispiel beginnender Gothik, eben- 
falls mit Motiven des Ueberganges,  in den Giebelarkaden des Münz- 
gebäudes auf der Salzburg bei Neustadt an der Saale ein überaus 
reizvolles Dekorativstück derselben Richtung.  Ein ansehnliches Werk,
        

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