Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1693129
Zweite Periode. 
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(seit 1262) erscheint in herkömmlich schlichter frühgothischer Form, be- 
merkenswerth durch die in den Ecken zwischen Querbau und Chor be- 
findlichen schrägliegenden Seitenkapellen, wie an St. Gengoult zu Toul, 
Wobei zugleich an andre, zwar freier behandelte niederrheinische Beispiele 
(Ahrweiler und Xanten) zu erinnern ist. (Der glänzende Schiffbau vom 
Beginn der folgenden Epoche.)  Den 
_ Seitenschiffen des Doms zu Mainz 
„ wurden, seit 1279, Seitenkapellen 
3' am, f  hinzugefügt, deren Fenster die ganze 
 xl j X Pracht ausgebildeten Maasswerkcs, bis 
g:   fLXX in spielend dekorative Oombinationen 
m s, l   , hinab, entfalten. 
" xx f] B's, f  Ueberwiegend jedoch kommt der 
  "X   Hallenbau, mit gleichen Schiffhöhen, 
  [l  ü?"    in diesen Gegenden zur Erscheinung, 
Ergf, 4x" (f, in den frühsten, fest ausgeprägten 
X13" Kxß"  N?" Beispielen gothischen Systems, in wei- 
2-1 bei; "ryxß  terer Entwickelung. Es ist voraus- 
, l xi OPPEHRWII- zusetzen, dass hiebei eine WVechsel- 
  gsrfäiäälägigheiggääilaläjliinen- Wirkung mit der westphälischen Ar- 
  chitektur, wo der Hallenbau schon in 
der romanischen Epoche festgestellt war, wo man zugleich aber an sol- 
cher Fassung (an der romanischen Stylform des Hallenbaues) weit in das 
13. Jahrhundert hinein festhielt, stattgefunden habe. 
Das zunächst charakteristische Frühbeispiel, auch in weiteren Be- 
ziehungen ein für die Ausbildung der deutschen Gothik einflussreicher 
Bau, ist die Elisabethkirche zu Marburgl (1235-83). Die für das 
gothische System neue räumliche Anordnung ist hier mit Entschiedenheit 
und zu kraftvoller Wirkung durchgeführt, während sich in der Formen- 
behandlung die für das System des mittleren Hochbaues ausgeprägten 
Formen noch wiederholen. Das Innere hat mächtig kolossale dienstbe- 
setzte Rundpfeiler, wie solche ursprünglich als Träger grösserer Lasten 
verwandt wurden. Die Querschiffliügel schliessen in chorartigen Polygo- 
nen, gleich dem eigentlichen Chor der Ostseite. Das Fenstersystem folgt 
in Anordnung und Behandlung dem der Liebfrauenkirche von Trier, zwei- 
geschossig, während doch das Innere überall einen ungetheilten Hochraum 
ausmacht. Die Fagade hat einen in schlichten Massen trefflich entwickel- 
ten Thurmbau, an dessen leicht aufsteigenden obern Theilen man indess 
noch die wechselnden Versuche zum Gewinn der beabsichtigten Wirkung 
wahrnimmt; das Ganze enthält die Grundzüge des deutsch gothischen 
Fagadenbaues in seiner besondern Eigenthümlichkeit. Das Portal zwischen 
den Thürmen hat eine schlichte "Klarheit, mit sehr mässigem Sculptur- 
schmuck; die Theile über demselben sind etwas später. Ein Paar kleine 
Seitenportale zeigen noch romanisirende Elemente. 
Die Stiftskirche zu Wetzlar befolgt dieselbe Anordnung, hat aber 
in der Einzelbehandlung die Zeugnisse sehr verschiedenzeitiger Ausführung 
 
1 Denkmäler der Kunst,
        

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