Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697827
VIII. 
der Gegenwart. 
Die Kunstbestrebunbgen 
513 
dungen, durch welche das Wesentliche ihrer Composition einer vielseiti- 
gen Anschauung anheimgegeben ist. 
Dies führt uns auf die nachbildendcn und vervielfältigenden Künste 
unsrer Zeit. Auch in ihnen sehen wir die mannigfaltigste und umfas- 
sendste Thätigkeit vor uns, in vielen einzelnen Leistungen den besten 
Arbeiten früherer Zeit gleich, in der Masse bei weitem ausgedehnter, als 
dies bisher der Fall war. Der Holzschnitt, seit der Mitte des acht- 
zehnten Jahrhunderts neu cultivirt, ist seitdem bei den Engländern, bei 
den Franzosen und in jüngster Zeit auch bei den Deutschen mit glück- 
lichstein Erfolge weiter gebildet worden; die Gedicgenheit seiner Leistun- 
gen, .die Verbreitung derselben stellt ihn mit den Holzschnitten der frühe- 
ren Zeit des 1G. Jahrhunderts auf eine völlig gleiche, zum Theil auf eine 
höhere Stufe.  Die Leistungen im Fache des Kupferstiches schlies- 
sen sich dem würdig an, was in den beiden vorangegangenen Jahrhun- 
derten hierin geliefert werden ist. fltaliener, _Franzosen, Deutsche und 
Engländer ringen wetteifernd um den Vorzug. Der Stahlstich verspricht 
dieser Kunstgattung eine noch ungleich grössere Verbreitung, als bis 
dahin möglich war.  Als eine andere Kunst, die ausschliesslich dem 
gegenwärtigen Zeitalter angehört, ist die Lithographie zu nennen, 
die in ihrer mehr populären Beschaffenheit nicht geringere Ansprüche 
auf unsere Aufmerksamkeit, rücksichtlieh ihrer Bedeutung zum Ganzen 
der Kunstentwviekelung hat. Neben der Lithographie ist in der letzten 
Zeit noch eine ganze Reihe andrer Vervielfältigungsmethoden erfunden 
werden, die das Interesse von Künstlern und Kunstfreunden in Anspruch 
genommen haben und jedenfalls zur weitern Popularisirung der Kunst 
beizutragen geeignet sind. 
Es ist augenscheinlich, dass eine so bedeutende Mannigfaltigkeit, 
eine so vielseitige Ausübung der vervielfältigenden Kunstgattungen einen 
namhaften und von den früheren Epochen verschiedenen Einfluss auf die 
allgemeine Entwickelung der Kunst ausüben muss. Ohne diesen näher 
bestimmen zu wollen, ohne auch läugnen zu wollen, dass dieser Einfluss 
in manchen Beziehungen unvortheilhaft wirken könne, ist jedenfalls an- 
zunehmen, dass dadurch eine früher nie geahnte Verbreitung des Kunst- 
sinnes und der Freude an künstlerischer Darstellung hervorgebracht werden 
müsse.  In solchen Beziehungen ist hier auch auf die verschiedenen 
Instrumente hinzudeuten, die in völlig maschinenmässiger Behandlung, zur 
Erzeugung selbständig bedeutender bildnerischer Darstellungen dienen, 
und deren Erfindung ebenfalls unsrer Zeit angehört: so die Oollas'sche 
Reliefcopiermaschine, so die WVunder-Erfindung unsrer Zeit, die Daguerro- 
typie und Photographie, u. A. m. Es versteht sich von selbst, dass es 
bei Maschinen-Arbeiten sich nicht um geistig künstlerische Interessen 
handelt; eine mehrfach verschiedene Rückwirkung derselben auf den 
Kunstbetrieb kann jedoch ebenfalls nicht ausbleiben. 
Die Kunst unsrer Zeit ist überaus reich an Mitteln und an Kräften, 
Wenn diese Mittel und diese Kräfte, ein jedes nach seinem Maasse, einem 
Kngler, Handbuch der Kunstgeschichte. II. 33
        

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