Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697795
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Kill" 
VIII. 
Kunstbestrebungen der 
Die 
Gegenwart. 
Thätigkeit, des frühverstorbenen C. Schorn bedeutsame geschichtliche 
Compositionen, A. v. Klöbefs mythologische Bilder, Kriigefs treifliche 
Pferdestücke und grosse Ceremonienbilder (Huldigungsfest, Paraden u. s.  
und vorzüglich die edlen, lebenswahren, meisterlich gemalten Portraits 
von E. M agnus geben eine Vorstellung von der Mannigfaltigkeit des dor- 
tigen Schaffens.  Seit der Bekanntschaft mit den belgischen und fran- 
zösischen Meisterwerken hat sich das Streben nach entschieden realistischer 
Auffassung und nach naturwahrer Farbenbehandlung aller deutschen 
Schulen bemächtigt. Martersteig in Weimar (Ue-bergabe der Augsbur- 
gischeu Confession), Julius Schrader in Berlinl (Uebergabe von Üalais 
und eine Anzahl späterer Werke), Eybel ebendaselbst (Schlacht bei 
Fehrbellin), Adolph Menzel 2 mit vielen geist- und charaktervollen 
Schilderungen der Zeit Friedrichs des Grossen, darunter besonders die 
unübertroffenen, lebensprühenden Illustrationen zu Kugleris Geschichte des 
grossen Königs, Karl Rahl in Wienß (Christen in den Katakomben, neuer- 
dings Compositionen für das Arsenal in Wien, leider unausgeführt ge- 
blieben), L e u tz e in Düsseldorf (Uebergang Washingtons über den Delaware), 
Bleibtreu mit seinen Schlachtenbildern u. a. haben sich mit Erfolg die- 
ser Richtung hingegeben. Dass eine tüchtige Maltechnik den Deutschen 
am meisten abgeht und mit Recht nachdrücklich anzustreben ist, wird 
nur einseitige Befangenheit leugnen können; dass aber eine gewisse Gei- 
stesflachheit sich gern hinter effektyolle Farben und glänzende Technik 
flüchtet, ist nicht minder wahr und wird neuerdings schlagend durch den 
Münchener O. Piloty bestätigt. Ebenso hängt gewiss eine durchgrei- 
fende, wahrhaft volksthümliche Wirkung und somit die Zukunft unsrer 
Malerei von der Fähigkeit ab, in lebenvoller Weise das Wesen und die 
Geschichte des Volkes zu schildern, wie schon Dürer und die anderen 
grossen deutschen Meister richtig erkannten: aber der moderne Realis- 
mus streift gar zu leicht in's völlig Styllose und Platte hinüber und lässt 
nicht selten jede höhere Anordnung und Abrundung des Kunstwerkes 
vermissen. 
Einen weiterenSchritt in's wirkliche Leben that sodann die Genre- 
malerei, indem sie in umfassendster und vielseitigster Weise die Zustände 
des eigenen Volkes sowie fremder Nationalitäten oder vergangener Jahr- 
hunderte mit aller Treue und bald mit tief poetischem Sinn, bald mit 
humoristischer Absicht verführte. Für solche Darstellungen ist genaues 
Eingehen auf alle Einzelheiten, lebensfrische Färbung, überhaupt ein ge- 
sunder Realismus die unerlässliche Bedingung des Erfolges. Von L. Ro- 
bert's grossartigen Darstellungen des südlichen Volkslebens war schon 
die Rede; in verwandter Weise strebt Sir Charles Eastlake in Londont 
das italienische Volk zu schildern; Riedel in Romi braucht südliche 
Aktfiguren, um an ihnen die raftinirten Wunder seiner glänzenden Licht- 
effekte zur Geltung zu bringen; A. Decamps (vgl. oben) 6 Wendet sich 
sammt manchen anderen Franzosen dem Orient und den afrikanischen 
Stämmen zu; Biard ist in Lappland und Grönland nicht minder wie in 
 
1 Denkmäler der Kunst, Taf. 124_ Fig. 4.  2 Ebenda, Taf. 124 Fig. 3.  
3 Ebenda, Taf. 127 Fig. 3.  4 Ebenda, T. 132 Fig. 1.  5 Ebenda. T. 128 A. 
Fig. 4.  6 Dieser und die folgenden ebenda, Taf. 130.
        

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