Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697771
508 
VIII. 
der 
Die Kunstbestrebungen 
Gegenwart. 
liehen Malern aufgeführten H. Hess) besonders J. Schnorr v. Carols- 
feldl thätig', der in seinen ausgedehnten Waldgemälden im königlichen 
Residenzschlosse die Geschichte der Nibelungen, Karls des Grosscn, und 
Friedrichs Barbarosseüs schwungvoll schilderte. Zu dieser Münchener 
Gruppe, bei denen übrigens das Streben nach Grösse und Leidenschaft 
manchmal in's Aeusserliche und Leere umschlägt, gehört auch der Würt- 
temberger v. Gegenbaur, 2 der im königlichen Schlosse zu Stuttgart eine 
Reihe von Fresken aus der württembergischen Geschichte ausgeführt und 
dabei einen Glanz und eine Kraft des Kolorits entfaltet hat, wie sie kein 
andrer deutscher Freskomaler zu erreichen vermochte. Von Cornelius 
Schülern hat nur W. v. Kaulbach 3 eine selbständige Bedeutung erlangt 
durch seino phantasievollen und eleganten Compositionen im Treppen- 
hause des neuen Museums zu Berlin und mehr noch durch seine satiri- 
schen Illustrationon zu Goethels Reineke Fuchs. Einer streng plastischen, 
antikisirenden Richtung huldigt, Bonaventura Genellif früher in Mün- 
chen, jetzt in Weimar, während Moritz von Schwindä mit ähnlichem 
Streben nach classischem Formenadel einen romantischen Inhalt verbindet, 
minder glücklich in grossen monumentalen Werken (Kunsthalle zu Carls- 
ruhe und zum Theil Wandgemälde auf der Wartburg) als in kleineren 
Darstellungen deutscher Sagen und Legenden (die köstliche Aquarellzeichnung 
vom Märchen der sieben Raben und die Darstellungen aus dem Leben der 
h. Elisabeth auf derWartburg).  In Frankreichs steht Ingres als der 
einzige bedeutendere Vertreter solcher strengen klassicistischen Richtung 
da, die dort aber mehr auf äussere Repräsentation (Apotheose Homerls 
u. a.) als auf gedankenvolle Innerlichkeit ausgeht. 
Allgemeiner fand auch bei den Franzosen ein Umschwung zur R0- 
mantik Statt, der dort zugleich mit energischer Aufnahme coloristischer 
Studien sich verband. Als einer der bedeutendsten Künstler tritt hier 
Leopold Robert hervor, dessen Genrebilder südlichen Volkslebens sich 
bis zur Erhabenheit historischer Auffassung steigern. Neben ihm sind 
Steuben, Schnetz und besonders der edle, ausdrucksvolle, wenn gleich 
etwas stark zum Elegischen und Sentimentalen neigende Ary Scheffer 
zu nennen. Gewaltsamer, geradezu rückhalt-los und selbst ausschweifend 
bricht sich die Reaction gegen die klassische Richtung in Eugene De- 
lacroix Bahn, der mit seinen leidenschaftlichen kühn bewegten Gemälden 
der coloristischen Schule und zugleich dem entschiedenen Realismus zum 
Siege verhalf. Seitdem ist die französische Malerei fast ausschliesslieh 
der Fortbildung dieser Seite des Schaffens hingegeben, die ihr zu ihren 
glänzendsten Erfolgen, freilich nicht ohne scharfe Einseitigkeit und man- 
Cllerlßi auffallende Irrthümer, verholfen hat. Zugleich ist der Sinn de? 
Künstler mehr als zuvor auf möglichst prägnante Schilderung der G0- 
schichte, auf fesselnde Darstellung der ruhmvollen Begebenheiten des 
französischen Volkes gewendet. Die nachhaltigste Nahrung erfuhr dies 
Streben unter Louis Philipp durch die Gründung der historischen Galerie 
 
1 Denkmäler der Kunst, Taf. 106, Fig. 4; Taf. 119, Fig. 4.  2 Ebenda, 
Taf. 128, Fig.   3 Ebenda, T. 125, Fig. 1 u. 2. 4 Ebenda, T. 125, Fig, s.  
5 Ebenda, T. 125, Fig. 4 u. ö.  G Ebenda, T. 129 u. 130. 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.