Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697755
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VIII. Kap. 
Die Kunstbestrebungen 
Gegenwart. 
der 
In der Sculptur hat sich, neben jener sinnvollen classischen Rich- 
tung, welche Thorwaldsen in hehrer Grösse vertritt und in welcher eine 
Reihe von begabten Künstlern sich noch immer mit Vorliebe oder selbst 
ausschliesslich bewegt, wie der Italiener Tenerani, der Engländer Gib- 
son, der Deutsche Steinhäuser, der Holländer Kessels, der Nord- 
amerikaner Crawford u. a., vornehmlich eine zweite geltend gemacht, 
die am besten als die historische zu bezeichnen sein dürfte, die, beson- 
ders in den Denkmälern gefeierter Männer, das individuelle Leben so 
naturgemäss frei wie in edler, gemessener Stylistik darstellt. Der Haupt- 
repräsentant dieser Richtung ist Chr. Rauch, der Hauptmeister der 
neueren Berliner Schule (1777-1857) der zwar bei den idealen Bildungen 
seiner Victorien, seines betenden Moses u. a. in lauterster Weise auch 
auf die classische Behandlung einzugehen weiss, hauptsächlich aber in 
seinen Feldherrnstatuen, im Fricdrichsdenkmal und dem Thaerstandbildc, 
diese neuere Richtung siegreich durchgeführt hatf Ihm schliessen sich 
vor allen der geistvolle, feinsinnige Ernst Rietschel an (1804-1861), 2 
der in seiner Lessingstatue für Braunschweig, seinem Schiller-Göthe- 
Denkmal für Weimar, seinem Carl Maria von Weber für Dresden und 
seinem Luthermonument für Worms. vorzüglich in der Gestalt des grossen 
Reformators, die ihm noch selbst zu vollenden beschieden war, unüber- 
trelflich edle Muster lebensvoller, durchaus charakteristischer und doch 
stylistisch abgerundeter, von historischem Geist erfüllter Portraitbilder 
hingestellt hat. Mit nicht minderem Geschick hat er ideale Schöpfungen 
in classisch reiner Form geschaffen, wie seine zahlreichen Werke für das 
Theater und das Museum in Dresden, das Opernhaus zu Berlin beweisen, 
und endlich gelang es ihm in seiner Pietät für Sanssoucibei Potsdam den 
Adel hoher Formvollendung mit der Innigkeit christlicher Empfindung zu 
vermählen. Unter den übrigen Schülern und Nachfolgern Rauclfs 3 steht 
in erster Linie Fr. Drake, ein rüstiger, vielseitig begabter Meister 
(Denkmäler F riedr. Wilhelm des III. im Thiergarten bei Berlin, des 
Fürsten Putbus für Rügen, des Kurfürsten Friedrichs des Weisen für 
Jean, ltlarmorgruppe auf der Sehlossbrücke in Berlin u.  ferner 
Schievelbein, Bläser, Albert Wolf, A. Fischer, Afinger und als 
Thierbildner W.Wolff und A. Kiss (Amazonengruppe vor dem Berliner 
Museum und verschiedene Reit-erstandbilder, letztere freilich bei aller 
naturalistischen Feinheit ohne monumentale Haltung). Dieser Richtung 
gegenüber hat sich in München durch den phantasiereichen L. v. Schwan- 
thaler (18024-1848) 4 eine mehr romantisch-idealistische Auffassung gel- 
tend gemacht, welche in der kolossalen Bavaria zu München, wie in den 
Reliefs für die Glyptothek und den königlichen Residenzpalast daselbst 
und die Walhalla beiRegensburg mit voller schöpferischer Kraft, wenn 
auch zumeist mit einem Mangel an feinerer, lebensvoller Durchbildung 
hervortritt. Dieser Richtung schliesst sich in Dresden der feurige, ener- 
gische Ernst Hähnel, in Berlin der ebenfalls reich begabte H. Hei- 
del, in München selbst Widnmann und Brugger und in Wien Fern- 
1 Denkmäler der Kunst, T. 113, Fig. 
und Taf. 117, Fig. 1.  3 Ebenda, Taf. 
 2 Ebenda, T. 114, Fig. 311.4 
114.  4 Ebenda, Taf. 11a.
        

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