Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697721
VIII. 
Kunstbestrebungen 
Die 
Gegenwart. 
der 
503 
besten Renaissancezeit nachgeahmt. 1 Freier, geistreicher, mannigfaltige;- 
hat Semper am Theater und dem Museum in Dresden den Styl der 
Renaissance im Sinne unsrer heutigen Erkenntniss der antiken Kunst 
wieder aufgenommen und lebenskräftig fortentwickelt. 2 In ähnlichen 
Tendenzen bewegt sich die Stuttgarter Architektur, wo der klassisch ge- 
bildete v. Zanth thätig war, der in Leins und Egle eine freie Nach- 
folge gefunden hat. In Darmstadt und Mainz hat der hochverdiente G. 
M oller eine Anzahl tüchtiger Bauten in einem schlichten streng klassi- 
schen Style erbaut; 3 in Hannover ist Laves ein etwas befangener Klas- 
siker. In Frankreich hat die Schule des bedeutenden Percier sich 
durch den Anschluss an die klassische Architektur und die edelsten Muster 
der Renaissance hcrvorgethan. Diese Richtung Wird besonders durch 
Hittorff, Duban, Fontaine, Normand u. A. vertretenßt 
In der Sculptur tritt die entschieden classische Behandlungsweise zu- 
erst bei dem Italiener A. Canova (1757-1822) hervor; doch steht er 
noch auf der Grenzscheide zwischen dem Manierismus des 18. Jahrhun- 
derts und dem Streben nach einer edleren Gestaltung. Andere, wie ins- 
besondere die französischen Bildhauer dieser Richtung (z. B. Chaudet, 
(1763-1812) brachten es, zum Theil nicht ohne bedeutenden Einfluss 
von Seiten-Canovab, nur zu einer äusserlichen Aufnahme der antiken 
Darstellungsmotive. 5 Ein zartes Gefühl für Naturwahrheit, besonders an 
weiblichen Formen und im Portrait, entfaltete Dannecker in Stuttgart 
(geb. 1758). In verwandter Richtung sind die schwedischen Bildhauer 
Scrgel (1740-1814), Byström und Fogelberg hervorzuheben. 
Auch der Berliner Friedrich Tieck ist als Vertreter der klassischen 
Auffassung bemerkenswerth. Hoch über allen Zeitgenossen steht aber 
der Däne B. Thorwaldsen (1770-1844), der den Adel und die Keusch- 
heit der griechischen Meisterwerke in sich aufzunehmen und mit ebenso 
reichem Geiste, wie mit tiefem und innigem Gefühle zu durchaus neuen 
und eigenthümlichen Schöpfungen zu beleben vermochte. 
In der Malerei fand der antikisirende Styl zunächst seinen glänzend- 
sten Vertreter bei dem Franzosen J. L. David (1748-1825), ß dem eine 
überaus grosse Menge von Schülern und Nachfolgern, namentlich Gerard, 
Gros, Girodet, Guerin u. a., sich anschloss; aber seine und seiner 
Nachfolger Werke sind von einer manierirten, Iäusserlich theatralischen Auf- 
fassung nicht frei. Ein innigeres Verständnlss der Antike bekundete der 
anmuthig weiche P. P. Prudlhon (1758-1823) und der dem Ende die- 
ser Periode angehörige, jung verstorbene, hochbegabte Th. Gericault. 
Mehrere der bedeutendsten unter David's Schülern wendeten sich einer 
anderen, später zu betrachtenden Auffassung zu. Minder auffällig, aber 
edler und mit reinerem Gefühle durchgebildet, sind die Arbeiten einiger 
deutschen Künstler, vornehmlich die VOR A- J- Üarstens (1754-1798), 
dem sich E. Wächter, G. Schick u. A. anreihen. 7 Auch gehören hie- 
her, als poetisch bedeutsame Werke, Schinkelts Entwürfe im Fache der 
historischen Malerei. 
1 Denkmäler der Kunst, T. 109.  2 Ebenda, T. 110.  3 Ebenda, T. 110. 
 4 Ebenda, T. 112.  5 Für (11688 und die folgenden Bildhauer Vgl- Denkm. 
der Kunst, Taf. 103.  6 Ebenda, T. 104.  7 Ebenda, Taf. 105.
        

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