Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697717
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VIII. 
Die Kunstbestrebungen der 
Gegenwart. 
unübertreäliche Naivetät höchst anziehend w'irkt, genannt werden; für 
die Sculptur die verschiedenen Bildnissstatuen von J. G. Schadow (geb. 
1764). 1 In der Architektur zeigt sich dasselbe Bestreben in einer ge- 
wissen Einfalt der Anlage, die allen unnöthigeu Schmuck zu vermeiden 
trachtet, mehr nur die nächsten Bedingnisse der Constrnction im Auge 
hat und vornehmlich auf eine ruhig harmonische lilassenwirkung ausgeht. 
Kleinere Bauten solcher Art findet man mehrfach in Berlin und der Um- 
gegend; als ein grösseres, aber schon mehr stattliches Werk ist das 
Münzgebäude zu Berlin, von H. Gentz um den Schluss des 18. Jahr- 
hunderts gebaut, anzuführen. 
Gleichzeitig werden aber auch bereits andere, ungleich mehr umfas- 
sende Bestrebungen sichtbar, in denen wir die zweite Stufe der Entwicke- 
lung erkennen. Dies sind diejenigen, die auf einem erneuten und tiefer 
als bisher eindringenden Studium der Antike beruhen, und durch- 
welche der Kunst der Gewinn eines geläuterten und gereinigten Styles 
zu Theil wurde. Als gewaltiger Herold ging diesen Bestrebungen J oh. 
Winckelmann (1717 bis 1768) voran, dessen prophetisch begeistertes 
Wort von seinen Zeitgenossen bewundert, aber erst von der folgenden 
Generation in lebendigem Schaden wiedergeboren ward. Seinen wissen- 
schaftlichen Forschungen folgten die Untersuchungen der Monumente des 
griechischen Landes selbst; wo er zumeist nur ahnen konnte, ward durch 
diese eine unmittelbare Anschauung dargeboten. Seit Stuart und Revett 
ward die Aufnahme und Vermessung der griechischen Baudenkmäler eif- 
rig betrieben; dann wurden grosset Schätze der griechischen Sculpturen 
(besonders durch Lord Elgin) in die Museen des westlichen Europa ent- 
führt und in Gypsabgüssen überallhin verbreitet.  So kehrte man, was 
zunächst die Architektur anbetrifft, von dem Schnörkelwesen des Rococco- 
styles zu den reinen classischen Formen zurück; theils zwar noch, wie 
besonders von Seiten der Franzosen, in der römischen Auffassung dieser 
Formen; theils, wie bei einzelnen englischen Bauten, in unmittelbarer 
Nachahmung griechischer Vorbilder; theils in einer Weise, dass man aus 
dem griechischen Geiste heraus Neues zu schaffen sich bestrebte. In 
dem letzteren Betracht leistete besonders Deutschland Ausgezeichnetes, 
und vornehmlich C. Schinkel (1781-1841) ist es, dessen Bauwerke 
(namentlich das Schauspielhaus, das Museum, die Neue Wache zu Berlin, 
die Entwürfe zur Orianda u. a.) zuerst wieder das reine Bewusstsein der 
classischen Formenbildmig, wie keine andere Denkmäler des gesammten 
modernen Zeitalters, erkennen lassen. 2 An Schinkel schliessen sich, überw 
wiegend in seiner Richtung, Persius, Strack, Soller, Stüler, im Pri- 
vatbau Hitzig und Knoblauch und der Braunschweiger Ottmer an. 3 
Mit geringerer Selbständigkeit, mehr als olassischer Eklektiker hat Leo 
v. Klenze an seinen Hauptbauten, der Walhalla. zu Regensburg, der 
Glyptothek, der Ruhmeshalle, dem Siegesthor und den Propyläen zu 
München den antiken Formen sich zugewandt, in anderen Werken wie 
der Pinakothek 11m1 dem königl. Residenzschlosse daselbst die Muster der 
 
1 Denkmäler d. Kunst, 
Taf. 107 u. 108. 
Taf. 
2 Ebenda, 
102 
107. 
3 Ebenda:
        

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