Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697662
Der Kupferstich. 
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höchst ausgebildet zeigt. Sodann als ähnliche treifliche Meister: Frangois 
de Poilly (1623-1693), Jean Pesne (1623-1700) und Claudine 
Bouzonnet Stella, die vorzügliche Blätter nach N. Poussin stachen, 
dann Robert Nanteuil (1630-1678); und als die ausgezeichnetsten: 
Gerard Audran (1640-1703)und Nicolas Dorigny (1657-1746), 
der letztere besonders glücklich in der Wahl seiner Vorbilder, wie er 
z. B. die Cartons von Rafael auf eine vortreifliche Weise gestochen 
hat. Jünger ist Pierre Drevet (1697-1739), der, im Vortrage höchst 
elegant und ausdrucksvoll, in der Nachahmung des Stoiflichen bis zu einer 
fast täuschenden Naturwahrheit durchgebildet, besonders in Bildnissen 
ausgezeichnet ist.  Die verschiedenartigen Vorzüge der französischen 
und der niederländischen Stecherschule verband Gerhard Edelink 
(1649-1707), der in Antwerpen geboren und später in Paris ausgebildet, 
vorzugsweise den Franzosen zuzuzählen ist. In einzelnen Elementen der 
Technik von einzelnen Meistern allerdings übertroffen, steht er doch, was 
das Ganze der künstlerischen Behandlung anbetrifft, hoch über allen 
übrigen. Von ihm ist u. a. jenes berühmte Reitergefecht des Leonardo 
da Vinci und die, für Franz I. gemalte heil. Familie Rafaels gestochen. 
 Bei manchen französischen Kupferstechern bemerkt man schliesslich 
das Streben, nicht -bloss die Form, die Spiele von Licht und Schatten, 
die stotfliche Beschaffenheit der darzustellenden Gegenstände, sondern 
auch das Colorit an sich, und zwar durch mannigfaltigen Wechsel der 
Vortragweise, wiederzugeben. Dies konnte jedoch zu keinen sonderlich 
günstigen Resultaten führen und musste im Gegentheil nur zur Beein- 
trächtigung der anderweitigen Darstellungsmittel dienen. In manieristi- 
scher Ausartung zeigt sich ein solches Streben besonders bei einigen 
Meistern des 18. Jahrhunderts, wie bei Jacques Beauvarlet (geb. 
1731) und bei Jacques Balechou (1715-1764). 
In Deutschland erscheint im Verlauf des 17. Jahrhunderts die 
Kupferstecherei, gleich den übrigen Künsten, ohne namhafte Bedeutung. 
Matthäus Merian (1593-1650) und sein Sohn gleichen Namens lie- 
ferten eine bedeutende Menge von Prospekten, die bald eine in Paul 
Bril's Art gemüthlich phantastische, bald aber auch nur eine nüchtern 
prosaische Auffassung zeigen. Bartholcmäus Kilian, neben andern 
Gliedern derselben Familie, ist als Bildnissstecher zu nennen. Der einzig 
ausgezeichnete unter den deutschen Kupfcrstechern dieser Zeit ist W enz el 
Hollar (1607-1677), der zart und tief nachfühlend das Gegebene auf- 
zufassen und ebenso leicht wie sorgfältig darzustellen wusste.  Zu b_e- 
merken ist ausserdem, dass dennoch auch in dieser Zeit eine neue Er- 
findung im Fache des Kupferstiches in Deutschland gemacht wurde, die 
der sog. Schwarzkunst oder der geschabten Manier, in welcher aus dem 
Dunkeln ins Helle gearbeitet wird. Der Erlinder ist Ludwig 1'011 
Siegen; seine frühesten Blätter sind v. J. 1642.  Dem 18. Jahrhun- 
dert gehört Jacob Frey (1682-1771) an, der als ein handwerklich 
tüchtiger Nachfolger der italienischen Stecherschule jener Zeit bßirßßhtef 
werden muss.  Ein bedeutenderer Aufschwung ging von andern deut- 
schen Meistern des 18. Jahrhunderts aus, die ihre Studien in Paris mach- 
Kugler, Elandbuch der Kunstgeschichte. II. 32
        

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