Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697657
496 
VII. 
und Kupferstich 
Holzschnitt 
bis 
Ende 
ZllIIl 
des 
Jahrh. 
Anzahl geistreich hingeworfener, mehr oder weniger durchgeführter Ra- 
dirungen hinterlassen. Es mag genügen, unter ihnen einige anzuführen, 
die sich in diesem Fache vorzüglich ausgezeichnet: Paul Rembrandt, 
auch in seinen Radirungen der grosse Meister des Helldunkels; Adrian 
van Ostade und O. Dusart; Ant. hVaterloo, in seinen kleinen 
landschaftlichen Radirungen von höchster Meisterschaft; Jacob Ruys- 
dael (nur einzelne Blätter); Claude Lorrain, dessen Schöpfungen 
auch auf diesem Gebiete das tief innigste Naturgefühl verrathen; H. 
Swanevelt, Johann und Andreas Both; N. Berghem (zumeist 
Thierstücke), Paul Potter, u. A. m. Einzelne, wie P. van Laar und 
van der Kabel, wurden jedoch durch die leichte Technik auch zu 
einer ilüchtig rohen Behandlungsweise verleitet.  
Als eine besondere Erscheinung mag den Ebengenannten ein etwas 
älterer Meister, Heinrich van Goudt (geb. 1585), gegenübergestellt 
werden, von dem eine Reihe von Oompositionen des Adam Elzheimer mit 
dem Grabstichel in einer zierlich freien Radirmanjer gestochen wurde. 
Der eigentlich ausgebildete Kupferstich, wie derselbe durch Goltzius 
begründet war, erhielt zunächst durch Rubens, den allseitig Wirkenden, 
den Anstoss zu neuer Entwickelung. Er versammelte eine Reihe von 
Kupferstechern um sich, welche mit jener Behandlungsweise eine kräftige 
Lebensiülle, einen freieren und wirksameren Vortrag, beides im Sinne des 
Rubens, zu verbinden wussten. Zu ihnen gehören namentlich: Voster- 
man, besonders gerühmt in Bildnissen; Paul Pontius Soutman, 
durch die Feinheit seiner Zeichnung anziehend; Schelte a Bolswert, 
bedeutend in einer mehr malerischen Wirkung, und Hondius. Als 
treffliche Schüler des Soutman sind Jonas Suyderhoef und Cor- 
nelius Vischer, der letztere besonders im Helldunkel ausgezeichnet, 
anzufüln-en.   
Die vollendete Ausbildung des Kupferstiches gehört Frankreich 
an. Einzelne Leistungen waren hier bereits in der späteren Zeit des 16. 
Jahrhunderts hervorgetreten; jener Schule von Fontainebleau hatten sich 
auch Stecher zugesellt, die indess den Malern wesentlich untergeordnet 
blieben. Als eine bedeutendere Erscheinung begegnet uns, im Anfange 
des 17. Jahrhunderts, zuerst Jacques Oallot, der seine phantastisch 
humoristischen Compositionen, was den Stich anbelangt, in einer einfach 
soliden Technik ausführte. Neben ihm Claude Melan (geb. 1601), 
ein Kupferstecher, der mit launenhafter Beharrlichkeit Alles in Einer 
gleichmässigen Strichlage, in den Schatten verstärkt und in den Lichtern 
verdünnt, darzustellen liebte; man hat sogar einen grossen Christuskopf 
VOIl Seiner Hand, der aus einer einzigen, auf der Nasenspitze beginnen- 
den Spirallinie besteht. So wenig Gültigkeit eine solche Behandlungs- 
weise an sich haben kann, so musste jedoch auch sie zur Förderung der 
technischen Entwickelung beitragen.  Die vorzüglichen französischen 
Meister im Fache des Kupferstiches blühten in der zweiten Hälfte des 
17. Jahrhunderts, in jener Periode, in welcher auch die französische 
Malerei ihren Höhepunkt erreichte. Hier erscheint zunächst Antoine 
Masson (geb. 1636), in dessen Blättern das rein Plastische, sowie die 
Licht- und Schattenwirkung, überhaupt das Gesammte des Tones sich
        

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