Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697612
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VII. 
Holzschnitt und 
Kupferstich 
bis 
zum Ende 
des 
Jahrh. 
Arbeiten waren, so scheint man doch nicht viel vor der Mitte des fünf- 
zehnten Jahrhundert den Gedauken, dass dieselben zum Abdrucke vor- 
züglich geeignet seien, aufgefasst zu haben. Den nächsten Anlass hiezu 
gab ohne Zweifel der Holzschnitt und das ganze Bestreben jener Zeit, 
die vervielfaltigenden Darstellungsmittel auszubilden; die Erfindung selbst 
mag an verschiedenen Orten gemacht sein. Gewöhnlich (aber allem An- 
scheine nach mit Unrecht) schreibt man dieselbe dem Florentiner Gold- 
schmied Maso Finiguerra zu, der in der Anfertigung von Niellen 
besonders gerühmt wird; er soll zuerst darauf gekommen sein, die Gra- 
virung derselben, vor dem Einbrennen jener Schmelzmasse, mit einer 
flüssigen Schwärze ausgefüllt auf einem Schwefelabguss zu fixiren, dann 
auch auf Papier abzudrucken. Den ersten Druck auf Papier soll er von 
einer angeblich im J. 1452 gefertigten sog. Pax (einervkleinen, künstle- 
risch geschmückten Metallplatte, die man den Gläubigen zum Küssen 
hinreichte, mit den Worten: „Pax tecum")  sei es unmittelbar von der 
Platte oder erst von einem Schwefelabdruck,  gemacht haben. Diese 
Pax, im Niello die Krönung Mariä enthaltend und für die Kirche S. Gic- 
vanni in Florenz gefertigt, befindet sich gegenwärtig im dortigen Mu- 
seum; ein altes Blatt, das als Abdruck derselben vor der Schmelzarbeit 
gilt, im k. Kupferstichkabinet zu P aris. Doch sind die verschiedenen 
Umstände dieser ganzen Angelegenheit, auch das Jahr der Anfertigung 
der genannten Pax, noch nicht mit genügender Sicherheit bestimmt. 1 
Der Styl derselben scheint eher auf eine etwas spätere Zeit zu deuten; 
und es dürfte im Gegentheil wahrscheinlicher sein, dass die Erfindung, 
gleich dem Holzschnitt und dem Buchdruck, in Deutschland gemacht und 
dort zuerst ausgebildet sei. In Deutschland iindet sich die grössere Mehr- 
zahl älterer Kupferstiche, die zum Theil noch vor die Zeit des Jahrs 1450 
hinaufzureicheu scheinen (wie z. B. eine Passion vom J. 1446, von der 
sieben Blätter bekannt sind); auch zeigt sich die äussere Technik hier 
früher durchgebildet, während sie in Italien bis in den Anfang des sechs- 
zehnten Jahrhunderts hinein noch durchweg auf einer untergeordneten 
Stufe bleibt. 
Für die Uebersicht ist es indess vortheilhaft, mit den italienischen 
Kupferstechern des 15. und 16. Jahrhunderts zu beginnen. Charakte- 
ristisch ist für dieselben, dass ihr vorzügliches Bestreben, allerdings in 
Uebereinstimmung mit den nächsten Bcdingnissen der Technik des Kupfer- 
stiches, dahin geht, die plastische Bezeichnung der Form hervorzuheben, 
die grösste Sorgfalt der Umrisslinie zuzuwenden und sodann die Rundung 
der Form durch eine mehr oder weniger ausgeführte Schattimng mehr 
L 
1 S0 behßuPtet Z. B. Rumohr (Untersuchung der Gründe etc., Leipzig 1841), 
die fragliche Pax sei nicht die bei Maso im J. 1452 bestellte, sondern vielmehr 
ein Werk des Mßfteo Dei, vom J. 1455. Ferner lässt sich nicht nachweisen, 
(18188 der Pßpierßbdrllßk, auf welchen alles ankömmt, mit der Platte gleichzeitig 
sei, und selbst wenn VasarPs Jahrzahl 1460 für denselben gültig wäre, so lassen 
doch die höchst vollendeten Stiche deutscher Meister seit dem Jahr 1466 auf eine 
schon lange vor 1460 begonnene Ausübung dieser Kunst schliessen.  Vergl. 
Schuchardt, im Kunstblatt 1846. N0. 12, 17, '24. Derselbe, in Naumann's Archiv 
für die zeiehnenden Künste. IV. Jahrgang.  Passavant, peintre-graveur,
        

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