Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697605
Der Holzschnitt. 
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scheinen ähnliche Leistungen auch in den Niederlanden, namentlich Holz- 
schnitte nach Zeichnungen des Lucas von Leyden. 
Die italienischen Holzschnitte sind im Allgemeinen weniger bedeu- 
tend, auch in der Zeit jenes hohen Aufschwunges der Kunst im 16. Jahr- 
hundert, indem man hier auf die technische Ausbildung geringere Sorgfalt 
verwandte und die Behandlung mehr skizzenartig erscheinen liess. Doch 
erfreute sich dort eine eigenthümliche Gattung dieser Technik, deren 
ursprüngliche Erfindung zwar ebenfalls Deutschland angehört, mannig- 
fachcr Anwendung und Ausbildung. Dies ist die Gattung der sogenann- 
ten Helldunkel, eine Nachahmung von Tuschzeichnungen, in welcher die 
Umrisslinien und die verschiedenen Tuschlagen der Schatten durch ver- 
schiedene Platten über einander gedruckt wurden. In der früheren Zeit 
des 16. Jahrhunderts war Ugo da Carpi, später Andrea Andreani 
in dieser Gattung (der letztere auch in der Fertigung einfacher Holz- 
schnitte) ausgezeichnet. 
Schon in der zweiten Hälfte! des 16. Jahrhunderts tritt der Holz- 
schnitt beträchtlich gegen den Kupferstich zurück. Das Bestreben, der 
ausgebildeteren Behandlungsweise des letzteren nachzukommen, verleitete 
ihn auf eine Bahn, deren Bedingnisse ihm bald zu schwierig wurden. 
Die vorzüglicheren künstlerischen Kräfte wandten sich gänzlich dem glän- 
zenden Grabstichel oder der leicht beweglichen Radirnadel zu.  Im 17. 
Jahrhundert sehen wir den Holzschnitt fast ohne alle künstlerische Be- 
deutung und zumeist nur zu rohen Bücherzierden verwandt. Eine bedeu- 
tende Ausnahme machen nur einige, den Niederlanden angehörige Bestre- 
bungen, wo durch Rubens eine erneute und für den Augenblick nicht 
erfolglose Thätigkeit auch in diesem Fache hervorgerufen ward. Als 
ausgezeichnete Holzschneider sind in diesem Betracht namentlich O. van 
Sichem und C. J egher, der letztere mit Glück nach Rubens arbeitend, 
hervgrzuheben.  Das 18. Jahrhundert erscheint für den Holzschnitt 
ebenso ungünstig, bis, in der zweiten Hälfte desselben, in England ein 
neuer Aufschwung beginnt. Thomas Bewick (1753-1828) gründete 
hier eine vorzügliche Schule, durch welche die heutige glänzende Ent- 
wickelung des Holzschnittes eingeleitet ward. 
Der Kupferstich. 
Der Kupferstieh 1 hatte bedeutende Vorgänger an jenen, in ltietall 
gravirten Zeichnungen, die in den Zeiten des Alterthums (besonders bei 
den Etruskern) und im Mittelalter häufig zur Ausführung gebracht wur- 
den. Unter den letzteren sind vornehmlich die N iellen Wichtig, Gravi- 
rungen, in welchen die vertieften Striche mit einer dunkeln Schmglzmasse 
ausgefüllt wurden, und die, in kleinem Maasstabe sauber ausgeführt, 
zur Decoration verschiedenen Geräthes dienten. So häufig indess solche 
 
geschnitten habe oder nicht, kagn hier nicht näher berührt werden. Vgl. darüber 
den Artikel Hans Lützelburger 1n Nagler's Künstlerlexicon. 
l Vgl, besonders J. G. v. Quandt, Entwurf zu einer Geschichte der Kupfer- 
steeherkunst. 
        

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