Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697559
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Die bild. Kunst d. 
J ahrh. 
Kabinetmalerei 
Gemälde somit meist der italienischen Richtung der Landschaft an und 
folgen dem Gange, den die letztere nimmt. Zum Theil enthalten sie 
auch, wieder abweichend von der eigentlichen Idylle, Scenen des italie- 
nischen Volkslebens, deren Behandlung sodann sich der naturalistischen 
Richtung der italienischen Historienmalerei annähert.  Die schönste und 
edelste Ausbildung dieser idyllischen Darstellungsweise zeigt sich in den 
Bildern von Albert Cuyp (geb. 1606), dem kein Andrer im warmen 
Licht und im kecken Spiel des Pinsels gleichkommt; ferner bei dem ge- 
miithlichen Adrian van de Velde (1639-1672) dem zierlichen K. Du- 
jardin (1635-1678) und Nicolaus Berghem (1624-1683), obschon 
der letztere, bei grosser Vielseitigkeit, im Gefühle nicht immer rein, viel- 
mehr etwas prunkend und äusserlich ist; endlich bei J oh. Asselyn 
(1610-1660). Neben ihnen sind Dirk van Bergen, P. van der 
Leuw, W. v. Romeyn, C. Klomp, Abraham Begyn u. a. In. zu 
nennen.  Zu den bedeutendsten Meistern, die mehr Scenen des italie- 
nischen Volkslebens als eine Darstellung idyllischer Zustände vorführen, 
gehören Joh. Miel (1599-1664) und Joh. Lingelbach (1625-1687), 
der letztere, ein Frankfurter, stellt mit Vorliebe italienische Seehäfen 
dar. (So auch Berghem und Weenix.) Bei den meisten dieser Maler 
erscheint die Darstellung von Viehheerden als der vorzüglichste Theil des 
Bildes; unter diesen zeichnen sich namentlich aus: Johann Heinrich 
Roos (1631-1685) und sein Sohn Philipp Roos, gen. Rosa di Ti- 
voli, sowie die Schaafmaler Jacob van der Does und Joh. van 
der Meer d. j. 
Bei den letztgenannten tritt zum Theil minder die Absicht auf idyl- 
lische Zustände hervor, demgemäss auch die Landschaft mehr die ein- 
fachere nordische Stimmung gewinnt. Als durchaus schlichte, aber mit 
unübertreHlicher Naturwahrheit ausgeführte Abbildungen eines nordisch 
prosaischen Hirtenlebens erfreuen sich die Gemälde des Paul Potter 
(1625-1654) des höchsten und verdienten Ruhmes. 
Selbständig steht den Genannten Philipp Wouverman (1620 bis 
1668) gegenüber. Er liebt es, das Leben der vornehmen Stände im Freien, 
namentlich Jagdzüge, darzustellen und dabei zugleich, wie die Maler der 
idyllischen Richtung das weidende Vieh, das Pferd in dem Adel seiner 
Gestalt und in der Kühnheit seiner Bewegungen vorzuführen. Die Zier- 
lichkeit seiner Behandlung entspricht der Wahl dieser Gegenstände, und 
die heitern, von lichtem Glanze erfüllten Lüfte dienen nicht minder dazu, 
einen poetischen Klang über dieselben hinzuhauchen. Er hat zahlreiche 
Nachahmer gefunden, darunter sein Bruder Peter, dann Johann von 
Bredß und K. van Falens. 
ä. 4. Thierstüeke und Stillleben. 
Neben der Landschaft und dem Genre entwickeln sich gleicqzeitig 
noch mannigfaltige Darstellungen andrer Art, und zwar solche, in denen 
das, was früher in den historischen Bildern nur als einzelnes Beiwerk 
oder Schmuck erschienen war, nicht minder selbständig, mit hoehausge- 
bildetem Sinne für eine freudig glänzende Dekoration, behandelt wird. 
Hieher gehört zunächst die Thiermalerei. In ihrer selbständigen
        

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