Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697549
Genre. 
Verbindung von Landschaft und 
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und schlicht, mit heller Färbung und ausgezeichneter malerischer Behand- 
lung, letzterer in etwas dekorativer Weise, darzustellen pflegen; (unter 
den Nachahmern des Antonio sind Giac. Marieschi und der geistreich 
sprudelnde Franc. Guardi zu nennen);  sodann, mehr jener idea- 
listischen Richtung angehörig, der Franzose Joseph Vernet (1714 bis 
1789), vorzüglich gerühmt in seinen Seestürmen, und der Engländer Ri- 
chard Wilson, der fast nur klassische Gegenden im Geschmack des 
Caspar Poussin malte, während sein Zeitgenosse Thomas Gainsbo- 
rough, oben schon unter den Bildnissmalern aufgeführt, die einfachsten 
heimathlichen Gegenden iu kecker malerischer Behandlung und glänzten- 
der Färbung schildert. 
Genre. 
von Landschaft und 
Verbindung 
Als eine besondere Gattung der Kabinetmalerei sind diejenigen Dar- 
stellungen zu betrachten, in welchen sich Genre und Landschaft zu einem 
sich gegenseitig Bedingenden,  nicht so, dass das eine etwa, nur die 
Fassung oder die Staffage des andern ausmacht, vereinigen. In solcher 
Weise linden wir bereits in der Zeit um den Anfang des 17. Jahrhun- 
derts einige bezeichnende Leistungen. Einzelne davon stehen den Ar- 
beiten jener älteren Brabanter Schule der Landschaftsmalerei parallel; 
in ihnen sieht man zumeist bunte Festlichkeiten dargestellt, deren Treiben 
jenen spielenden farbigen Glanz der Natur erfüllt. Als ein namhafter 
Meister dieser Richtung ist Adrian van der Venne (1589-1662) 
anzuführen.  Andre gehen aus der Weise dieser Schule, ähnlich wie 
Paul Bril, zu der italienischen Richtung über; ihre figürlichen Darstel- 
lungen gehören vorzugsweise der heiligen Geschichte oder der Mythe des 
klassischen Alterthums an, so dass sie den idealeren Naturformen auch 
ideale Gestalten gegenüberstellen. Vorzüglich ausgezeichnet ist in solcher 
Weise ein deutscher Künstler, Adam Elzheimer (1574-1620), dessen 
Bilder insgemein mit grosser Zartheit und mit ansprechend liebenswür- 
digem Sinne ausgeführt sind. Sein Nachahmer, Cornelius P0elen- 
burg (1586-1660) zeichnet sich durch seine schönen Lüfte und feinen 
Schmelz der Behandlung aus. Dessen Schüler Jo h. van der Lys, Bar- 
tol. Breenberg, {Lvanltlaansbergen und A. Cuylenburg, sind 
weniger anziehend und erscheinen bald geistlos, bald kalt und manierirt, 
Ihre bedeutsamste Entfaltung erhält die in Rede stehende Gattung 
der Malerei in denjenigen Bildern, welche eigentlich idyllische Zustände 
des Lebens, ein noch ungetrübtes Zusammenleben des Menschen mit der 
Natur, zum Gegenstande der Darstellung nehmen; es sind besonders See- 
llen des Hirtenlebens und ähnlicher Verhältnisse, wobei zugleich eine fei- 
Ilere Beobachtung der verschiedenen Thiergestalten und ihres natürlichen 
Verkehres hervortritt. Diese idyllische, mehr oder minder dichterische 
Richtung führt aber den Blick der nordischen Künstler von den scl1]ich- 
teren Erggheinungen der Heimath hinweg; durch den Glanz und Duft 
der südlichen Natur, in welche sie die Scenen der Art gern hillßinver- 
setzen, suchen sie auch im Bcschauer eine mehr poetische Stimmung her- 
vorzurufen. In Bezug auf den landschaftlichen Theil schliessen sich diese
        

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