Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697528
Die Landschaftsmalerei. 
483 
der Architekturmalerei geliefert hat.  In der heiteren, sonnigen Dar- 
stellung öffentlicher Plätze ist Joh. van der Heyden (1637 bis 1712) 
vorzüglich ausgezeichnet. Ein guter Nachahmer desselben ist Gerhard 
Berkheyden (1645-1698). 
Eine dritte Richtung der Landschaftsmalerei ist diejenige, welche in 
Bezug auf die künstlerische Behandlung sowohl, wie auf die Vorbilder 
der Natur, Italien angehört. Wie in dem Fache des italienischen 
Genre, so erscheinen auch hier zunächst einige einheimische Meister. 
Der wichtigste unter diesen ist Annibale Caracci, der bereits in der 
italienischen Historienmalerei, und zwar als der vorzüglichst charakteri- 
stische Vertreter des Eklekticismus, genannt ist. In seinen landschaft- 
lichen Bildern giebt sich ein Nachklang der Darstellungsweise Tizianls 
kund; er weiss die plastischen Formen der Erdbildung und des Baum- 
wuchses von Italien mit Sinn aufzufassen, dieselben, dem eklektisch styl- 
gemässen Bestreben auch hier folgend, in grossen Linien und einfachen 
Massen anzuordnen und ihnen durch entschiedenen Ton der Farbe eine 
ernste und ruhige Haltung zu geben. Ihm strebten mit Glück nach: 
Gio. Franeesco G-rimaldi (1606-1680), der eigentliche Landschafts- 
maler der Caraccfschen Schule; Domenichino, Guercino und Albani, 
der letztere, seiner Eigenthümlichkeit gemäss, mehr zu einer eleganten 
Behandlungsweise geneigt.  Dem Ann. Caracci erscheint ferner ver- 
wandt: scin Zeitgenoss, eigentlich sein Vorbild, der Niederländer Paul 
Bril (1554-1626), der, aus jener älteren Brabanter Landschaftsschule 
hervorgegangen, aber bald von deren conventioneller Behandlungsweise 
befreit, für eine frischere, mehr zugleich die Wirkungen des Lichtes und 
der Luft beobachtende Entfaltung der italienischen Richtung höchst för- 
derlich war.  Sodann der Franzose Nicolas Poussin, der schon 
genannte Historienmaler. Auch in seinen Landschaften erscheint jene 
plastische Ruhe und Bestimmtheit, aber noch entschiedener, zu noch 
grösserer Ruhe, zu noch höherem Ernste ausgebildet; es ist darin etwas, 
was an die Einfalt und Bestimmtheit der Antike erinnert (wie denn in 
der That die wenigen landschaftlichen Gemälde des classischen Alter- 
thums, die sich auf unsre Zeit erhalten haben, fast genau dasselbe Ge- 
präge tragen); aber diese Erinnerung fällt hier unmittelbarer aus, als 
in seinen historischen Gemälden. Häufig wendet er auch stattliche Archi- 
tekturen antiken Styles zur entschiedene-ren Charakteristik in seinen Land- 
schaffen an.  Ihm zur Seite steht sein Schwager Caspar Dughet, 
gen. Oaspar Poussin (1613-1675), in dessen landschaftlichen Bildern 
Sich dieser strengere Ernst erfreulich insofern mildert, als er den schaf- 
fenden und belebenden Athem der Luft, bald in heiterem Wehren, bald 
in sausendem Sturme über dieselben hinfiihrt.  Ihre höchste Vollendung 
aber erhält die italienische Richtung in den Werken eines dritten Mei- 
Slers, des LOthringnS Claude Gelee, gen. Claudg Lorrain (1600 bis 
1682). In seinen Landschaften löst sich die plastische Strenge der Li- 
nienführung zum anmuthvollsten Wohllaut auf, ein weiches quellendes 
Leben entfaltet sich im Helldunkel des Waldes und auf dem schimmern- 
den Teppich der Wiese, ein ätherisches Licht, wundersam abgestuft, erfüllt
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.