Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697487
Genremalerei. 
Die 
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Verkolje, Gottfried Schalken, Eglon van der Neer, Willem 
van Mieris u. s. w. Zum höchsten Gipfel steigert sich die kalte Ele- 
ganz der Behandlung bei Adrian van der Werff (1659-1722), sei- 
nem Solme Peter van der Werff, Philipp van Dyck u. A., die 
sich vorzugsweise wieder den heiligen oder mythischen Darstellungen zu- 
wenden, in solchen Bildern aber den Mangel an geistigem Gehalte um 
so empfindlicher bemerken lassen.  Ihnen steht, als eine erfreulich 
anziehende Erscheinung derselben späteren Zeit, Peter de Hooghe 
(1659-1722) gegenüber, in dessen Bildern all jene Gemüthlichkeit des 
häuslichen Daseins aufs Neue zurückkehrt; vorzüglich ausgezeichnet ist 
er, wo er das heitere Spiel des Sonnenlichtes im engen Raume des Zim- 
mers darstellt. Etwas früher dagegen ist Gonzales Ooques aus Ant- 
werpen (1618-1684) thätig, welcher im Anschluss an van Dyck und in 
einem dem Teniers verwandten Geiste kleine Familienbildnisse in landschaft- 
licher Umgebung auffasst.  Als Nachahmer des Gabriel Metsu ist 
endlich Barent Graet zu nennen. 
Eine andere Richtung des Genre mag als das italienische bezeich- 
net werden. Dasselbe entwickelt sich aus der naturalistischen Richtung 
der italienischen Historienmalerei, die, indem sie ihre Formen unmittel- 
bar aus dem gemeinen Leben entnahm, von selbst dazu führen musste, 
auch wirkliche Zustände lllld Verhältnisse des gemeinen Lebens zum 
Gegenstande der Darstelhmg zu wählen. Dies italienische Genre steht 
somit der erstgenannten Gattimg des niederländischen Genre parallel, n1n' 
dass hier zugleich jenes leidenschaftliche Element der italienischen Natu- 
ralisten hervortritt, dass somit die Richtung auf das Komische nicht 
eigentlich bemerklich wird. Als namhafte Meister dieses Faches sind 
zunächst einige Italiener, der Mehrzahl nach in Schlachtenbildern sich 
auszeichnend, zu nennen. So zwei, mit der neapolitanischen Schule des 
Spagnoletto in Verbindung stehende Künstler, Aniello Falcone und 
der schon genannte Salvator Rosa, der letztere zugleich in anderwei- 
tigen Soldatengruppen, in Räuberscenen u. dergl. bedeutend (von seiner 
landschaftlichen Thätigkeit wird weiter unten die Rede sein). Ebenso 
Michelangelo Cerquozzi (1602-1660), der von seinen Schlachten- 
bildern den Beinamen M. delle battaglie führt, der aber auch in 
figurenreichen Volksscenen Treffliches geleistet hat. Sein Schüler war 
der französische Schlachtenmaler Jacques Courtois, gen. Bourguipg- 
non (1621-1671).  Als niederländische Maler, die sich in der Darstel- 
lung italienischer Volksscenen, bei ähnlicher Behandlung ausgezeichnet, 
sind zu nennen: Jan Miel (1599-1664), Peter van Laar, genannt 
Bamboccio (1613 bis 1674), und Andreas Both. Ihnen schliessen 
sich noch mehrere andere an, die aber, da in ihren Bildern die Land- 
schaft zumeist ebenso bedeutend ist, wie die Darstellung der Figuren, 
erst weiter unten zu erwähnen sind. 
Sodann ist an dieser Stelle noch eine Reihe niederländischer Maler 
anzuführen, die vorzüglich, gleich den ebengenannten Italienern, Scenen 
des Kriegslebens, namentlich Schlachten, zum Gegenstande ihrer Darstel- 
lung wählen, im Allgemeinen aber nicht speziell jener italienisch natura- 
listischen Behandlungsweise folgen. Zu ihnen gehören: Anton P alamedes,
        

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