Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697468
Genremalerei. 
Die 
Wir betrachten zunächst das Fach des Genre in seiner abgesehlosm 
senen Bedeutung, sofern dasselbe die Zustände des gewöhnlichen Ver- 
kehres der Menschen zum Gegenstande der Darstellung macht und ihnen 
durch zierliche Beschränkung im kleinen Raume, durch harmonische Ge- 
messenheit in Form, Farbe und Licht ein künstlerisches, zum Theil auch 
durch sinnige Auffassung ein poetisches Gepräge giebt. 
Die vorzüglichsten Leistungen dieses Faches gehören den Nieder- 
landen an. Hier unterscheiden wir zwei Hauptrichtungen der Genrema- 
lerei. Die eine fasst die Zustände des gemeinen Lebens in ihrer derben 
Ungebundenheit auf, behandelt dieselben zumeist mit geistreich keckem 
Pinselspiele und neigt sich, wo eigentlich poetische Elemente in ihr her- 
vortreten, zum Komischen. Die andere Richtung hat es mit denjenigen 
Zuständen zu thun, in denen das Gesetz der Sitte waltet; die Bilder 
werden hier mit liebevoller Sorgfalt und Genauigkeit ausgeführt; als poe- 
tisches Element tritt hier das Gemüthliche hervor. Wir bezeichnen die 
ärstehRichtung mit dem Namen des niederii, die zweite mit dem Namen 
es ölieren. Genre. 
Das niedere Genre wird zunächst durch jene Bestrebungen des 
16. Jahrhunderts eingeleitet, die als Nachfolge der Genre-Darstelluiigen 
des Lncas von Leyden, noch entschiedener und unmittelbarer aber des 
Quintin Messys erscheinen und die besonders in den Arbeiten der Breughel 
ihre Vertreter finden. Neben dem Breughel waren noch andere, minder 
namhafte Künstler in ähnlicher Richtung thätig. In ungleich grossarti- 
gerer Energie jedoch erscheinen einige wenige Genrebilder, welche von 
Rubens' Hand gemalt sind und dieselbe Glut des Lebens, die in den 
historischen Darstellungen dieses Meisters waltet, auch in dem wilden 
Jubel der Bauernwelt zur Erscheinung bringen (Hauptwerk die Bauern- 
hochzeit im Louvre zu Paris).  Nach solchen Erscheinungen treten 
sodann diejenigen Meister auf, die als die eigentlich selbständigen dieses 
Faches zu bezeichnen sind: David Teniers (1610-1690), in Rubens" 
Schule gebildet, Scenen eines unbehülflich bäuerischen Verkelires mit 
leichtem und keckem Pinsel und mit lebendig maleriscliem Sinne, obschon 
nicht eben mit sonderlichem Aufwand an Geist vorführend, zugleich auch 
solche Darstellungen, in denen sich, wie in Wachtstuben, alchymistischen 
Laboratorien, Küchen und dergl, allerlei buiitesGeräth Zusammenhäuft, 
Adrian Brouwer (1608-1640), ein Holländer, doch auch in einem 
Verhältniss zu Rubens; dem Teniers verwandt, noch breiter, aber wen; 
ger scharf und zierlich im Vortrag, weniger klar in der Färbung, aber 
beweglicher und mannigfaltiger, mehr von Lust; und Laune erfüllt.  
Adrian van Ostade (1610-1685), ein Deutscher, in der holländischen 
Schule gebildet; ebenfalls im Bauernleben sich bewegend, aber mehr auf 
die Zustände ruhigen, ob auch wiederum unbeliülflichen Behagens ge- 
richtet, sorglich ausgebildet, besonders in Bezug auf warme Harmonie 
der Farben und auf die Wirkungen des Helldunkels ein Meister ersten 
Ranges. Isaac van Ostade, der Bruder des Adrian, fast ebenso aus- 
gezeichnet, besonders in Bildern, welche das Treiben auf den Strassen
        

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