Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697308
Die italienische Historienmalerei 
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einen ungemein schönen und hohen Adel, wie namentlich das Deckcnbild 
des Phöbus mit den Horen in einem Gartenhause des Palastes Rospigliosi 
zu Rom, das Oelgemälde Nessus und Dejanira im Louvre zu Paris 
u. a. m. Bald aber geht er zu einem abstraeteren, minder lebenvollen 
Schönheitsideal über und verliert sich zuletzt in eine leere, abgeschwächte 
Manier. An Guido Reni schliesst sich eine bedeutende Anzahl von Schü- 
lern und Nachfolgern an; zu den besseren unter diesen gehören: Simone 
Cantarini, gen. da Pesaro, Gio. Andrea Sirani und dessen Tochter 
Elisabetta; dann Semenza, Gessi, Domenico Canuti, Guido 
Cagnacci u. A., welche theilweise seiner späteren, minder erfreulichen 
Manier folgen.  Ein dritter bedeutender Anhänger der Caracci ist Gio. 
Francesco Barbieri, gen. Guercino aus Oento (1590 bis 1666). 
Bei ihm zeigt sich ein lebhafter Sinn für grosse, breite Massen und 
warme, kräftige Färbung; sein Entwickelungsgang ist im Uebrigen dem 
des Guido Reni ähnlich. In seiner früheren Zeit erscheint er in einer 
tüchtigen naturalistischen Richtung (mehrereBilder der Art in der Pina- 
kothek von Bologna, tretfliehe Fresken in der Villa Ludovisi zu Rom); 
später geht er mehr auf das Zarte und Anmuthige über, bis er sich am 
Schlusse einer schwächlichen Sentimentalität hingiebt. Unter seinen Schü- 
lern ist Benedetto Gennari, neben andern Künstlern derselben Fa- 
milie, hervorzuheben.  Dann ist Francesco Albani (1578-1660) zu 
nennen, der mit einem lebendigen Sinn für Anmuth begabt, sich beson- 
ders in idyllischen, halb der Landschaft angehörigen Darstellungen wohl- 
gefiel, hierin mit der italienischen Schäferpoesie seiner Zeit wetteifernd; 
gleich der letzteren erheben sich aber auch seine Bilder selten über den 
Kreis einer nur conventionellen Emptindungsweise. (Fresken im Palast 
Verospi zu Rom). In kirchlichen Bildern schliesst er sich unmittelbar 
den Caracci an. Unter Alba.ni's Schülern zeichneten sich aus: Gio. Ba- 
tista Mola, Carlo Cigilani und besonders Andrea Sacchi. Ein 
Schüler des letzteren, Carlo Maratta, erscheint als ein nicht sehr kraft- 
voller Nachahmer des Guido Reni.  Als tüchtige Talente, doch von 
einer mehr handwerklichen Richtung, sind unter den Schülern der Caracci 
ausserdem noch namhaft zu machen: Giovanni Lanfranco (1581 bis 
1647), Sisto Badalocchi, Giaeomo Cavedone, Lionello Spada 
(dieser wiederum mehr Naturalist), u. a. m. Edler ist Alessandro Tia- 
rini, dessen anziehendes Hauptwerk, die Jungfrau Maria dem h. Joseph 
erscheinend, im Louvre zu Paris. 
Unter Einwirkung der Schule der Caracci bildeten sich ferner: Bar- 
tolommeo Schedone (gest. 1615), in früheren Bildern, nicht mit gros- 
sem Glück, dem Correggio nachstrebend, später ein kräftiger, derb leben- 
voller Naturalist;  und Gio. Batista Salvi, genannt Sassoferrato 
(1605-85), ein Künstler, der, obgleich ohne sonderliche Energie des 
Gefühles und von beschränktem Gesichtskreis, doch mit liebenswürdigem 
Sinne auf die Bestrebungen, die um den Anfang des 16. Jahrhunderts 
sichtbar wurden, namentlich gern auf die Bilder aus Rafaels Jugendzeit, 
zurückging.  
Eine besondere Richtung der Malerei begründete Federigo Baroc- 
cio von Urbino (1528-1612). Zwar nicht frei von den manieristischen
        

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