Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697264
kleinere Sculptur. 
Die 
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Fache der kleineren Sculptur und in der Anwendung derselben für 
dekorative Zwecke; 1 hier zeigt sich jenes eigentlich dekorative 
Element, welches sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts vor- 
züglich geltend gemacht hatte, mit Sinn aufgenommen und, den natura- 
listischen Bestrebungen der gegenwärtigen Zeit gemäss, nicht ohne Glück 
weiter ausgebildet. 
Die vorherrschende Liebhaberei wendet sich in solchen Arbeiten dem 
Elfenbein zu, einem Materiale, das seit den Zeiten des Mittelalters 
nur wenig in Anwendung gekommen. war. Eine Hauptgattung der Elfen- 
beinarbeiten dieser Zeit, die sehr zahlreiche künstlerische Kräfte in An- 
spruch nehmen musste, besteht in den Crucifixen; bei einer würdigen 
und bedeutsamen Gesammtfassung bestrebt man sich, in ihnen zugleich 
die volle anatomische Meisterschaft und den Krampf des auf entsetzliche 
Weise Gefesselten zum Ausdrucke zu bringen. Die häufige Ausführung 
dieser Bilder darf als ein sehr charakteristisches Merkmal der allgemei- 
nen Zeitrichtung gelten. Doch kommen auch zahlreiche figürliche Dar- 
stellungen andrer Art vor, obschon man bei ihnen nicht selten eine 
anatomisirenrle Behandlungsweise bemerkt, welche auf die Hauptbeschäf- 
tigung der Verfertiger (auf die Crucifix-Arbeit) zurückdeutet. Dann wur- 
den grosse Prachtgefässe, namentlich Krüge und Pokale, aus Elfenbein 
gefertigt und im Aeusseren aufs Reichste mit Reliefsculpturen geschmückt; 
in den letzteren Endet man zuweilen eine Reinheit und Anmuth des 
Styles, die in der That höchlichst überraschen. Als namhafte Künstler 
dieses Faches werden angeführt: Franz du Quesnoy, der schon ge- 
nannte Bildhauer, und noch ein älterer Niederländer, der ebenfalls in 
Rom arbeitete; Cope Fiammingo (gest. 1610); Lco Pronner (gest. 
1630); Leonhard Kern (gest. 1663); Gerhard van Opstal (gest. 
1668; sein Opfer des Abraham, lediglich durch die Grösse bedeutend, 
bisher in Casa Volpi zu Venedig, jetzt im städtischen Museum zu Bres- 
cia); Franz van Bossiut (gest. 1692); Balthasar Permoser (gest. 
1732); Melchior Paulus (zehn saubere Reliefs der Passion, 1703 bis 
1733, im Domschatz zu Köln), u. a. m. 
In der späteren Zeit des 17. Jahrhunderts und im 18. wandte man 
sich, für solche Arbeiten, häuüg auch andern Stoffen zu, namentlich dem 
Bernstein, doch ist das darin Gefertigte meist ohne künstlerischen Werth. 
In musivischen, aus farbigen Hölzern gebildeten Reliefs hat Johann 
Georg Fischer von Eger (1661) einige Bedeutung. In Eisenarbeiten, 
doch mehr in deren künstlerischer Behandlung als in eigentlich künst- 
lerischer Ausbildung, zeichnete sich Gottfried Leyggbg (1630 bis 
1683) zumeist in Berlin thätig, aus. U. s. W. 
An den Werken aus edlen Metallen steht insgemein das Figür- 
liche sehr zurück neben den Elfenbeinsachen; dafür ist das Dekorative 
im Barockstyl und im Rococco oft voller Schwung und Leben. (Eines 
der seltenen YVerke aus der Zeit des dreissigjährigen Krieges: der sil- 
berne Schrein des hl. Engelbert, im Domschatz zu Köln, von Conrßd 
 
1 Ausführlieheres in Kuglgfs Beschreibung 
zu Berlin vorh. KunstsummL, S. 205-269. 
der 
in 
der 
königl. Kunstkammer
        

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