Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697254
456 
Kap 
bild. 
Die 
Kunst des 
und 18. 
J ahrh. 
Sculphlr. 
Werke jener Zeit auszuführen hatten: bei Francois Girardon (1630 
bis 1715) und bei Antoine Coysevox (1640-1720). Mehr in der 
niederländischen Richtung hält sich dagegen, seiner ursprünglichen Hei- 
math nicht ganz ungetreu, Martin van den Bogaert, gen. Desjar- 
dins (1640 bis 1694).  Im 18. Jahrhundert geht dies Streben in eine 
elegante, zumeist sehr inhaltlose Zierlichkeit über. Zu den bedeutendsten 
Talenten dieser Zeit gehören: Edme Bouchardon (1698 bis 1762) 
und Jean Baptiste Pigalle (1714-1785); von dem letztern das 
bekannte Grabmal des Marschalls von Sachsen in St. Thomas zu Strass- 
burg eins der glänzendsten Werke dieser Zeit, freilich nicht frei von 
theatralischem Effekt, aber wegen seiner feinen, naturwahren Durchbil- 
dung doch höchst beachtenswerth.  
In Deutschland entstanden während des 17. Jahrhunderts ausser 
den schon erwähnten manche im Einzelnen erfreuliche Sculpturwerke, 
wenn sich auch keine eigenthümlich deutsche Schule mehr darin zu er- 
kennen giebt. Von einem J oh. T. W. Lentz (1685) rührt die lieblich 
schlummernde Marmorgestalt auf dem Grabe der h. Ursula in der gleich- 
namigen Kirche zu Köln her. Mehrere gute Altäre und Grabmäler im 
Dom von Mainz stammen aus dieser Zeit, unter den letztern das zwar 
völlig unplastisch gedachte, aber in seiner WVeise trefflich ausgeführte 
des Generals Bamberg (gest. 1689), welcher trotzig den Sargdeckel auf- 
stösst, aber vom Tode zurückgedrängt wird. Ein Bronzecrucifix auf dem 
Hochaltar von S. Oastor in Coblenz, erfunden von Georg Schweig- 
ger von Nürnberg, gegossen von Wolf Hieronymus Herold eben- 
daselbst (1685) ist als Beleg für die damalige nürnbergische Kunstübung 
nicht ohne Werth.  Endlich erfreute sich Deutschland, um den Beginn 
des 18. Jahrhunderts, eines ausgezeichneten Meisters im Fache der Bild- 
hauerei, der, obschon von den Schranken seiner Zeit befangen, dennoch 
eine hohe und grossartige Genialität zu entwickeln vermochte. Dies ist 
Andreas Schlüter (geb. um 1662, gest. 1714). Die Elemente seiner 
künstlerischen Bildung deuten theils auf die niederländische Richtung, 
wie dieselbe bei Arthur Quellinus erscheint, theils auf Einflüsse des Ber- 
nini, theils hat er auch manches Verwandte mit den vorgenannten fran- 
zösischen Meistern; eigenthümlich aber ist ihm ein tiefes Lebensgefühl, 
ein stolzer, kräftiger Adel und ein sehr glücklicher Sinn für räumliches 
Verhältniss und räumliche Wirkung. Seine Hauptthätigkeit gehört Ber- 
lin an; die Schlösser von Berlin und Potsdam sind reich an bildne- 
rischer Dekoration, die von ihm und unter seiner Leitung gefertigt wurde; 
als Seine Hauptwerke im Fache der Sculptur sind anzuführen: die Mas- 
ken Sterbender Krieger über den Fenstern im Hofe des Zeughauses von 
Berlin, und die Reiterstatue des grossen Kurfürsten Friedrich Wilhelm 
auf der dßrtigell Langenbriicke.  Von Nachfolgern dieses Meisters 
ist nichts zu melden. 
Die kleinere 
Sculptur. 
Mancheflei anziehende und tüchtige Arbeiten begegnen uns, im Ver- 
lauf der in Rede stehenden Periode, namentlich des 17. Jahrhunderts, im
        

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