Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697249
Die höhere 
Sculptur. 
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zunächst Franz du Quesnoy, genannt il Fiammingo (1594-1644) 
von Brüssel, der Nebenbuhler des Bernini. Seine vorzüglichste Thätig- 
keit gehört Rom an; hier sind namentlich die Statue des heil. Andreas 
in der Peterskirche, und die der h. Susanna in S. M. di Loreto als sehr 
beachtenswerthe WVerke namhaft zu machen. Ein eigcnthümliches Ver- 
dienst dieses Künstlers besteht in der Darstellung von Kinder-Genien, 
in denen er eine frische Natur glücklich auszudrücken wusste; derglei- 
chen finden sich an den Dekorationen verschiedener, von ihm ausgeführ- 
ter Grabmonumente und an dem bekannten Brunnen des Manneken-Pis 
zu Brüssel. Im Berliner Museum ein trefflich naiver Amor, welcher 
sich den Bogen schnitzt. --Nicht minder bedeutend erscheint der Schüler 
des ebengenanntcn, Arthur Quellinus. Von ihm und unter seiner 
Leitung wurden die zahlreichen Sculptureir gearbeitet, welche das von 
Jacob van Oampen erbaute Rathhaus von Amsterdam schmücken 
und welche, ungleich mehr als die Architektur selbst, diesem Gebäude 
eine grossartige WVirkung sichern. Eine volle, energische Behandlung 
der körperlichen Form, im Geschmacke der niederländischen Nationalität, 
ein in günstigen Grenzen gehaltenes malerisches Bestreben, Beides mit 
sehr glücklichem Sinne nach den Anforderungen des plastischen Styles 
modiiicirt, geben diesen YVerlaen ein ganz eigenthümliches Gepräge. Vor- 
züglich bedeutend sind die beiden grosscn Reliefs, welche die Hauptgiebel 
des Gebäudes ausfüllen und deren Inhalt den Glanz der mächtigen See- 
stadt verherrlicht. A. Quellinus arbeitete u. a. auch für den branden- 
burgischen Hof; in Berlin schreibt man ihm, nicht ganz ohne Grund, 
das tüchtig gearbeitete Grabmonument des Grafen E. G. von Sparr (gest. 
1666) in der Niarienkirche zu.  Es scheint, dass dieser Meister nicht 
ohne erhebliche Einflüsse auf seine nähere Umgebung und auch auf das, 
Kunststrebeu anderer Gegenden (namentlich Norddeutschlands) geblieben 
ist, denen näher nachzuforsehen vielleicht nicht überflüssig sein dürfte. 
Doch ist, in Bezug auf die niederländische Seulptur, zu bemerken, dass 
sich in der späteren Zeit des 17. Jahrhunderts gleichwohl auch Einflüsse 
des Berninfschen Stylcs erkennen lassen, wie z. B. in den Arbeiten des 
Bartholomdus Eggers.  
Anders erscheint die Richtung der Sculptuir, welche in Frankreich 
durch die künstlerischen Unternehmungen Ludwigs XIV. in der zweiten 
Httlfte des 17. Jahrhunderts hervorgerufen ward. Es zeigt sich hier eine 
Nachwirkung jener älteren französischen Kunstrichtung (der Schule von 
Fontainebleau), verbunden mit einem, dem Bernini verwandten, auch 
wohl durch seinen Einliuss veranlassten Bestreben, Beides aber auf eigen- 
thümliche YVeise und bei zum Theil grosser Meisterschaft in der Tech- 
nik, entschieden auf eine theatralische, bewusst repräsentirende Darstel- 
lungsweise hingewandt. Nicht 011119 fmellißllllllngswverthe Energie zeigt 
sich diese Richtung zunächst in der berühmten lllarmorgruppe des Pierre 
Pujet (1622-4694), dem Milo von Kroton, der von einem Löwen zer- 
rissen wird (im Pariser Museum), auch in mehrern seiner Sculpturen 
zu Genua, (in S. Maria di Catrignano u. a.  mehr manicristisch in 
den Scnlpturcn des Francois Anguier (1612-4686); am Umfassend- 
sten jedoch bei denjenigen hleistern, welche die grösste Mehrzahl der
        

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