Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697123
Frankreich. 
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dieser Zeit ausmachten, so begreift man den gesammten Kreis der Künst- 
ler, welche damals in Frankreich thätig waren, gewöhnlich unter dem 
Namen der Schule von Fontainebleau. Ihre Blüthe gehört der 
Mitte und der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts an. 
Als namhaft bedeutende Künstler dieser Schule sind zunächst einige 
Bildhauer 1 hervorzuheben, deren Werke, bei den ebengenannten Eigen- 
thümlichkeiten, doch zumeist durch edle Anordnung, durch feinen Sinn 
und zarte, verständige Ausführung anziehen: Jean Goujon (gest. 1572), 
der bedeutendste Meister dieser Zeit; von ihm namentlich die anmuth- 
vollen Flachreliefs am Brunnen des innocens zu Paris und ähnliche im 
dortigen Museum, wo ausserdem eine etwas überschlanke Diana und das 
trefflich angeordnete Relief ausruhender Bacchanten, etc. (Auch schreibt 
man ihm das prächtige Grabmal in der Kathedrale von Rouen, welches 
Diana von Poitiers ihrem Gemahl setzen liess, zu).  Germain Pilon 
(gest. 1590); sein Hauptwerk die elegante, in-den Gewändern überzier- 
liche Gruppe der drei G-razien, (oder nach Andern der drei göttlichen 
Tugenden) im Museum von Paris, von dem Grabmale Heinrichs II.  
Jean Cousin (gest. 1589); einige Portraitfiguren im Museum von Pa- 
ris.- Barthelemy Prieur, Pierre Francheville, Paul Ponce 
(ein Italiener von Geburt), u. A. m.  
In der Malerei ünden wir wenig nationale Talente von Bedeutung. 
In diesem Kunstfache ist hier besonders nur der eben genannte Jean 
Cousin, ein sehr vielseitiger Künstler, hervorzuheben. Ein jüngstes 
Gericht von seiner Hand, im Pariser Museum, hat indess, obschon es 
zart behandelt ist, ein bedeutend manieristisches Gepräge, Vorzüglich 
berühmt ist J. Cousin im Fache der Glasmalerei; unter den Arbeiten 
solcher Art, die von ihm herrühren, werden besonders die in der Kathe- 
drale zu Sens und in der Kirche St. Gervais zu Paris hervorgehoben. 
Ueberhaupt fand diese Kunstgattung in Frankreich in der genannten 
Periode eine sehr bedeutende Theilnahme. Im Ganzen ist der Styl die- 
ser Fenster, das Verhältniss zur Farbe und die Technik nicht besonders 
vorzüglich. Auch finden wir hier, neben Cousin, noch mehrere andre 
Künstlernamen von Bedeutung, wie Robert Pinaigrier, Bernard de 
Palissy, Henriet Claude, u. s. w. 
Mit der Glasmalerei hängt noch ein besonderes Kunsthandwerk zu- 
sammen, das in dieser Periode in Frankreich zu einer bedeutenden Blüthe 
gedieh, die Emaille-Malerei, als Verzierung verschiedenartiger, aus 
Kupfer gearbeiteter Geschirre und Gefässe, auch in ihrer Anwendung zu 
selbständigen Tafeln. Der Hauptsitz dieses Industriezweiges war Limo- 
ges; seine Arbeiten bilden das Gegenstück zu den italienischen Majoli- 
ken, und auch sie gehen in eine frühere Zeit zurück. Schon im l2ten 
Jahrhundert soll der Kunstzweig der Emaille-Arbeit in Limoges geblüht 
haben. Mancherlei Trelfliches und Geschmackvolles findet sich sodann 
am Ende des 15. und im Anfange des 16. Jahrhunderts, gleichzeitig mit 
jenem Aufschwunge der französischen Miniaturmalerei und in ähnlicher 
Richtung. Die eigentliche Blüthe der Emaille-Arbeit fällt indess mit der 
1 Denkmäler der Kunst,
        

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