Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697085
Italien. 
439 
Menge grossräumiger Wandmalereien in der späteren Zeit des 16. Jahr- 
hunderts in Italien ausgeführt worden; aber es wird der Kunstgeschichte 
vergönnt sein, über diese mit flüchtiger Handwerklichkeit prahlenden 
Werke, über diese grossartig scheinenden und doch nur aifektirten und 
innerlich nüchternen Gebilde schnell hinwegzugehen. Die Staffeleibilder 
sind zuweilen sorgsamer ausgeführt; nichts destoweniger dient aber auch 
hier die äussere Eleganz nur dazu, die innere Hohlheit um so mehr er- 
sichtlich zu machen. Nur wo das schlichte Vorbild der Natur-e vorlag (somit 
vornehmlich in Bildnissen) erscheinen zumeist anziehendere Leistungen. 
Es möge an kurzer Aufführung der wichtigeren Namen der Maler 
dieser Richtung genügen. In Florenz sind zu nennen: Giorgi Vasari 
(1512-1574, in seinem grossen literarischen Werk der Künstler-Biogra- 
phieen ein sehr liebenswürdiger Novellist, als Künstler selbst zumeist 
einer der leichtsinnigsten); Francesco de' Rossi, gen. Fr. de' Sal- 
viati; Angele Bronzinc, und sein Neffe Alessandro Allori, 
ersterer besonders in Portraitbildern tüchtig; Santi Titi, Batista 
Naldini, Bernardino Poccetti, u. A. m.  In Siena Arcangelo 
Salimbeni, Franc. Vanni, Rutilio Manetti, und Marco di 
Pino, gen. Marco da Siena (zumeist in Neapel thätig).  In Rom: 
Grirolamo Siciolante da Sermoneta; die Brüder Taddeo und 
Federigo Zuccaro (nicht unbedeutend in ihren historischen Gemälden 
im Sehlosse Caprarola, die mehr einen Portrait-Charakter haben; 
Giuseppe Cesari, genannt il Oavalier dl Arpino (durch frische 
blühende Färbung ausgezeichnet).  In Bologna: Prosp. Fontana, 
Lorenzo Sabbatini, Or. Sammachini, Bart. Passerotti, La- 
lvinia Fontana (in kleinen Bildnissen vortrefflich), Domenico Cesi, 
und der Niederländer Dionisio Calvart, gen. D. Fiammingo (durch 
warmen Schmelz der Färbung ausgezeichnet).  In Genua: Andrea und 
Ottavio Semini, und Luca Oarnbiaso (ein rüstiges Talent, mit 
grossen malerischen Eigenschaften begabt, bei dem der Sinn für schlichte 
Naturwahrheit immer Wieder durchbricht).  In Neapel endlich ist Si- 
mone Papa, il giovane, zu nennen, der sich durch edlere Einfalt 
von den meisten der Vorgenanntcn vortheilhaft unterscheidet. 
Wenn so eben bereits auf einzelne Künstler hingedeutet wurde, die 
sich durch ein aufriehtigeres Anschliessen an die Natur und durch reine- 
ren Sinn über der allgemeinen Verflachung zu erhalten suchten, so ist 
nunmehr noch eine ganze Schule anzuführen, die in ähnlicher Weise und 
mit grossartigeren Erfolgen eine höchst erfreuliche Ausnahme von der 
allgemeinen Zeitrichtung macht. Dies ist die Schule von Venedig,'wo 
von jenem Zwiespalt der Zeit für jetzt fast Nichts ersichtlich wird. Hie? 
erhalten sich noch gegenwärtig das gesunde, auf der begeisterten Natur- 
anschauung beruhende Princip und die hochentwickelte Technik, die der 
Schule in der ersten Hälfte" des Jahrhunderts so glänzende Erfolge ge- 
sichert hatten, und sie bethätigen sich nicht blos in einer Wiederholung 
dessen, was von den früheren Meistern bereits geleistet war, sondern 
Zugleich in neuen, selbständigen Schöpfungen. Zunächst tritt uns hier 
Jacopo Robusti, genannt il Tintoretto (1512-1594) entgegen", 
ein Künstler, dessen Darstellungen von einem mächtigen, leidenschaftlich
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.