Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697060
Italien. 
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zur äusseren Form entwickelt, hatte noch nicht das Leben gestaltungs- 
kräftig durchdrungen; auch er vermochte somit, wo es sich um künstle- 
rische Interessen handelte, nur erst eine äusserlich bedingte Form, und 
zwar in der Weise, wie sie ihm eben dargeboten ward, entgegenzuneh- 
men. Die in Rede stehende Zeit ist für die kunsthistorische Entwickelung 
nur als eine Zwischenperiode zu betrachten, die im Ganzen weniger an 
sich, denn als eine Verbindung zwischen Vergangenem und Künftigem 
ein Interesse hat. 
Die Mehrzahl der künstlerischen Arbeiten dieser Zeit ist nach alle- 
dem nur wenig erfreulich, zumal wo es sich um Werke von höherer 
geistiger Bedeutung handelt; hier erweckt der Widerspruch zwischen der 
Leere des Inhalts und der Anmassung in der äusseren Darstellung zu- 
meist ein sehr unbehagliches Gefühl. Wir werden uns somit über diese 
Zeit im Allgemeinen mit kurzen Andeutungen befriedigen können. Wo 
indess in den Werken dieser Zeit die eigentliche Absicht des künstleri- 
schen Betriebes mehr nur auf Dekoration gerichtet ist, da verschwindet 
auch jener Widerspruch und es wirken somit solche Arbeiten von unter- 
geordneter Bedeutung zumeist ungleich erfreulicher, als die Mehrzahl der 
Werke des höheren Ranges. Zugleich aber ist zu bemerken, dass in 
einzelnen glücklichen Fällen auch in dieser Zeit künstlerische Kräfte auf- 
treten, die, von dem allgemeinen manieristischen Streben weniger berührt, 
sich unbefangenen Sinnes und ausgerüstet mit all denjenigen Mitteln, 
welche ihnen die nächste Vergangenheit darbot, nur an das reine Vor- 
bild der Natur hielten. Ihre Leistungen erscheinen als helle Glanzpunkte 
in dieser Periode der allgemeinen Verflachung, und sie bilden eine zwar 
minder umfassende, aber um so bedeutsamere Uebergangslinie zu den 
Bestrebungen des 17. Jahrhunderts. 
Italien. 
In der italienischen bildenden Kunst sehen wir den Styl des Michel- 
angelo von vorzüglichem Einfluss, theils so, dass man demselben ganz in 
der Weise zu folgen sich bestrebte, wie er durch den Meister selbst vor- 
gebildet war, theils so, dass man andere Schulrichtungen nach den Eigen- 
thümlichkeiten dieses Styles Zu Ilwdiücirßll 811011116- Michelangelols hohe 
Lebensdauer, die beträchtlich in diese Zeit hinüberreicht, und seine mäch- 
tige Persönlichkeit dienten wesentlich zur Begründung eines solchen Ein- 
flusses, mehr aber noch der Umstand, dass in der unabhängigen Weise 
seiner Gestaltung, die nur in sich ihre Bedeutung haben will, Etwas 
liegt, das, einseitig aufgefasst, dem Streben nach äusserlicher Schaustellung 
unmittelbar entgegenkommen musste. Dergleichen findet sich schon in 
manchen seiner späteren Werke, mehr noch bei seinen Nachfolgern, die 
zum Theil, sofern sie ihm näher angehören, bereits oben besprochen sind. 
In der Sculptur ' bleibt dies Verhältniss zunächst mit Entschieden- 
heit ersichtlich. Als einer der bedeutendsten Bildhauer, die sich dem 
Michelangelo in dieser Periode des manieristischen Strebens anschlossen, 
Denkmäler der Kunst,
        

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