Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1697058
FÜNFTES 
KAPITEL. 
DIE 
BILDENDE 
KUNST IN DER ZWEITEN HÄLFTE 
ZEHNTEN JAHRHUNDERTS. 
DES 
SEGHS- 
Allgemeine Bemerkungen. 
Die hohe Ausbildung des künstlerischen Styles und der künstleri- 
schen Darstellungsweise, welche durch die grossen italienischen Meister 
der früheren Zeit des 16. Jahrhunderts gewonnen war, ward in der zwei- 
ten Hälfte des Jahrhunderts im weitesten Kreise umhergetragen, den 
verschiedenen, der künstlerischen Bildung geneigten Nationen mitgetheilt, 
bei den mannigfaltigsten, einer künstlerischen Gestaltung fähigen Gegen- 
ständen zur Anwendung gebracht. Diese gleichmässige Verbreitung eines 
hochentwickelten Geschmackes bildet den Charakter des genannten Zeit- 
abschnittes (dessen Anfang und Ende jedoch, wie überall bei den Momen- 
ten des geschichtlichen Entwickelungsganges, nicht durch bestimmte Jahr- 
zahlen zu bezeichnen ist). Dabei ist aber zu bemerken, dass man im 
Wesentlichen nur die äusseren Elemente von dem, was jene grossen 
Meister begründet hatten, aufzufassen vermochte, dass man in der Nach- 
folge der letzteren wesentlich nur auf eine äusserliche Wirkung bedacht 
war, dass man die Darstellungen gleich bei der Erfindung mehr oder 
weniger auf die Schaustellung berechnete, und dass in Folge solcher Sin- 
nesrichtung der Styl, der einem hohen Aufschwunge des Geistes sein 
Dasein verdankte, grossen Theils zu einer handwerksmässigen Manier 
umgewandelt werden musste.  
Beides, die Verbreitung des hohen Styles und die Entartung dessel- 
ben zu einer äusserlichen Manier, beruht auf den allgemeinen culturge- 
schichtlichen Verhältnissen.  Der Zwiespalt zwischen alter und neuer 
Gßistesrißhtllllg War jetzt offenkundig ins Leben getreten; Kathclicismus 
und Prßtßstantismus standen sich als zwei feindliche Mächte gegenüber. 
Jener war gewaltigen Sinnes auf ein Gebiet hinübergetreten, wo ihm die 
schönsten Blüthen desyLebens erspriessen mussten; aber er hatte dadurch 
die eigentliche, feste Grundlage seines Daseins verloren, und die innere 
Hohlheit musste sich bald oifenbziren; dies ist zunächst als der Grund 
der manieristischen Erscheinungen in der italienischen Kunstgeschichte zu 
betrachten. Der Protestantismusaber war, im Allgemeinen, noch nicht
        

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