Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696978
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Die nord. K. 
Sculpmr. 
dem Style seines Vaters werde angeschlossen haben; und wenn eine, in 
den Jahren 1492-1493 gefertigte Grabplatte des Bischofes Heinrich III. 
von Bamberg, im dortigen Dome wirklich, wie man annimmt, von ihm 
herrührt, so sieht man auch hier noch eine Behandlungsweise, die mehr 
dem gothischen Style, als jener eckigen Nürnberger Manier verwandt ist; 
(dabei bleibt freilich der Umstand auffallend, dass die Anfertigung dieser 
Platte in die Zeit fallt, in welcher P. Vischer bereits mit dem Magde- 
-burger Monument beschäftigt sein musste). Eine sehr ähnliche Behand- 
lungsweise sieht man sodann noch an zwei andern Grabplatten des Bam- 
berger Domes: an der des Bischofes Veit I. (gest. 1503), die man dem 
P. Vischer ebenfalls zuschreibt, und an der, bestimmt von ihm (1505 bis 
1506) gefertigten des Bischofes Georg II. 1  Der letztgenannten Platte 
folgt nunmehr eine grosse Arbeit, diejenige, die vor allen den Ruhm des 
Künstlers begründet hat: das sogen. Sebaldusgrab in der Sebalduskirche 
zu Nürnberg (1506-1519). Hier sehen wir ihn mit völliger Entschie- 
denheit wiederum, frei von jener eckigen Manier, der gothischen Bil- 
dungsweise zugewandt, und zugleich in dem Bestreben, die letztere durch 
die Aufnahme antiker Elemente weiter zu entwickeln. Das Sebaldusgrab 
besteht seinen Haupttheilen nach aus dem bereits im 14ten Jahrhundert 
gefertigten Sarkophage des Heiligen; aus dem Untersatze, der mit einer 
überaus grossen Menge von Bildwerk, namentlich mit Reliefdarstellungen 
aus der Legende des Heiligen geschmückt ist, und aus einem grossen, 
auf acht Pfeilern ruhenden, fünfzehn Fuss hohen Tabernakelbau, der das 
Ganze umgiebt; an den Pfeilern die Gestalten der zwölf Apostel und 
über diesen die etwas kleineren Figuren von zwölf Propheten. Schon 
an den architektonischen Theilen des Monumentes, besonders an den 
pyramidalen Tabernakeln, welche die Bekrönung desselben ausmachen, 
ist ein bestimmtes Zurückgehen auf eine frühere Zeit, und zwar auf die 
des gothischen Baustyles in seiner ersten (noch nicht völlig entwickelten) 
Erscheinung, zu bemerken; die Behandlung ist freilich ganz frei, und im 
Einzelnen finden sich hiemit viele geistvoll angewandte Elemente der 
antikisirend italienischen Architektur verbunden. Unter den Sculpturen 
kommen zunächst die Statuen der Apostel in Betracht; diese sind durch- 
aus in der Weise der deutsch-gothischen Sculptur behandelt, so dass im 
Einzelnen selbst die Mängel derselben, in mehrfach gezwungenen Stellun- 
gen, in einer gewissen Trockenheit des Gefältes, sichtbar werden; dabei 
aber sind sie voll Charakter, voll Grossheit und idealer Würde. In den 
Reliefs aus der Legende des h. Sebaldus verschmilzt sich dies gothische 
Formenprincip sehr glücklich mit antiken Motiven, und zugleich sind sie 
durch die frischeste, reine und naive Lebendigkeit ausgezeichnet. In 
andern Figuren, theils solchen von symbolischer Bedeutung (von denen 
mehrere unmittelbar Personen der antiken Mythe vorführen), theils in 
den Genien, die das Ganze beleben, theils in solchen, die nur dekorative 
ZWeCke haben: tritt der auf die Antike gerichtete Sinn noch deutlicher 
hervor, obschon mit verschiedenem Erfolge und obschon nie in der Form 
 
1 Die drei Platten bei Heller, 
"der Domkirche zu Bamberg. 
Beschreibung 
der 
bischöfi. 
Grabdenkmäler in
        

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