Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696954
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1 6. J ahrh. 
Sculptur. 
der sehr naiv und spielend behandelte Hochaltar der Nikolaikirche zu 
Anclam (Kreuzigung Christi, u. s.  die Altäre der Marienkirche zu 
Anclam, unter denen besonders einer, die heilige Sippschaft enthaltend, 
theils durch Zartheit und Würde, theils durch phantastischen Humor an- 
zieht; die der Marienkirche zu Oolberg, u. s. w. In der letztgenannten 
Kirche befindet sich ein grosser, ganz in derselben Art gefertigter Kron- 
leuchter (1523), dessen Sculpturen, namentlich die beiden Hauptfiguren 
der Madonna und des Täufers, den Stossischen Styl in schöner Würde 
wiedergeben. (Diese Vergleichungen mit nürnbergischen Künstlern sollen 
jedoch keinesweges einen unmittelbaren Einfluss von Seiten Nürnbergs 
bezeichnen.) Ebenfalls aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts stammen 
die höchst vorzüglichen Altäre der-Kirchen von Waase (auf Ummanz, 
einer Nebeninsel von Rügen) und von Bredwisch bei Grimme, sowie 
der noch sehr gute in der Kirche von Eixen (unfern Tribsees.) 
Als ein sehr bedeutendes Werk ist endlich das grosse Altarschnitz- 
werk im Chore des Domes von Schleswig anzuführen, welches durch 
Hans Brüggemann (1515-1521) gefertigt wurde. 1 Der Inhalt der 
zahlreichen Darstellungen desselben bezieht sich vornehmlich auf die Pas- 
sionsgeschichte; Bemalung und Vergoldung sind bei ihnen nicht ange- 
wandt. Die Auffassung ist derb naturalistisch, aber ungemein lebenvoll; 
die Volksscenen sind mit humoristischer Laune durchgebildet, die ideale- 
ren Gestalten von solcher Richtung aus zu einer charaktervollen, selbst 
grossartigen Kraft gesteigert. Die Compositionen sind malerisch angelegt, 
die Gestalten im Einzelnen jedoch zugleich mit glücklichem plastischem 
Sinne behandelt. Ausserdem schreibt man dem H. Brüggemann noch 
die Reste eines Tabernakels aus der Kirche von Husum, sowie einen 
Altar in der Pfarrkirche von Segeber g zu; letzterer, wiederum bemalt 
und vergoldet, erscheint als eine Jugendarbeit des Meisters.  In der 
Lausitz besitzt die Kirche von Tammendorf (Kreis Orossen) eine treff- 
liche in Holz geschnitzte Gruppe der Grablegung.  In Mecklenburg 
enthalten die Kirche zu Doberan und die Nikolaikirche zu Rostock 
Sehnitzaltäre. 
Die Bronze  Arbeit. 
In einer, zum Theil wesentlichen Verschiedenheit von den stylisti- 
schen Eigenthümlichkeiten der übrigen deutschen Bildnerei erscheint die 
Mehrzahl der deutschen Bronzearbeiten dieser Periode, namentlich der- 
jenigen, welche durch die Familie Viseher in Nürnberg geliefert 
wurden. Es ist bereits früher bemerkt worden, dass sich an den deut- 
schen Bronzen bis tief in's 15. Jahrhundert hinein die Typen des gothi- 
sehen Styles, obschon nur in handwerksmässiger Wiederholung, erhalten 
hatten. Diese Typen werden jetzt mit erneutem Bewusstsein aufgenom- 
men, im Einzelnen dem Sinne der Zeit'gemäss modiüeirt, sodann aber, 
 
1 115011517 meisterhßfttegmiß der Feder auf Stein gezeichnete Abbildungen in 
dem Werke: Altarschlteln m der Schleswiger Domkirohe von H. Brüggemann; 
gez. von G. Chr. A. Bohndel.  2 Denkmäler der Kunst, T. 86.
        

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