Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696936
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B. Seulptur. 
oben S. 401 die Rede war; in Niederösterreich zu Maria Laach und 
Heiligenblut, auch in der Kirche zu Mauer.  Ausserdem erwähnen 
wir hier ein sehr umfassendes Werk, das man in der Stadtkirche zu 
Graupen (im nördlichen Böhmen) sieht. Auf drei Balkonen über einer 
Scala Santa stellt dasselbe, in lebensgrossen Figuren, die Ausstellung 
Christi vor dem Volke dar; die hohe Würde des Erlösers steht im leb- 
haftesten Gegensatz gegen den wilden, in charaktervoller Mannigfaltig- 
keit und mit grosser Meisterhaftigkeit ausgedrückten Ungestüm der Volks- 
gruppen. Die ganze Weise der Darstellung, selbst die Farbe, erinnert 
hier vorzugsweise an den Holländer Lucas von Leyden und an dessen 
Nachfolger. 1  Schnitzaltäre böhmischer Meister finden sich u. a. zu 
Zbraslav und in Mähren zu Adamsthal (1515), letzterer von Andreas 
Morgenstein aus Böhmen.  
In Niederdeutschland erscheint die Kunst der Schnitzaltäre nicht 
minder verbreitet. Die Schnitzwerke des schon erwähnten, höchst wahr- 
scheinlich aus Oalcar stammenden Altarschreins der Ferbefschen Kapelle 
in der Marienkirche zu Danzig (eine Kreuzigung und acht kleinere Pas- 
sionsscenen) sollen mit. den Schnitzereien in den Kirchen von Calcar 
und Xanten nahe übereinstimmen? Aus der spätern Zeit der Schule 
von Calcar rühren die Schnitzwerke des Altars der dortigen Reinholds- 
kapelle (1516) her.  Sodann besitzt Westphalen einen grossen Reich- 
thum an solchen Werken, und unter ihnen im Einzelnen höchst vollen- 
dete; zu den bedeutenderen gehören ein Altar in der Kirche zu Hem- 
merde, inschriftlich 1483 durch einen Braunschweiger Meister Conrad 
Borgetrik angefertigt; zwei der kolossalsten doppeliiügeligen Altar- 
werke in der Petrikirche zu Dortmund und der Kirche des benachbarten 
Schwerte (1523); eine tüchtige Arbeit in der Kirche zu Rhynern, eine 
andre vom J. 1509 in der Nikolaikirche zu Bielefeld, und eine dritte 
von 1525 durch Hinrik Stanvoer vollendete in der Kirche zu Enger; 
die Krone von allen der reiche, grosse Hauptaltar der Pfarrkirche zu 
Vreden, obendrein durch vollkommen erhaltene Vergoldung und Bema- 
lung beachtenswerthß  Andere wichtige Werke finden sich in Pom- 
mernf Charakteristisch ist bei diesen, dass das Schnitzwerk an ihnen 
fast durchweg in ungleich grösserer künstlerischer Bedeutung erscheint, 
als die Gemälde, dass hier somit augenscheinlich die Leitung nicht von 
den Malern erfolgt sein konnte, obgleich die Bemalung der Sculpturen 
wiederum mit feinem stylistischcm Sinne durchgeführt ist. Nächst jenen 
vorzüglichen Arbeiten gothischen Styles, die in Pommern bereits ange- 
füllTt Wurden, finden sich hier zahlreiche Arbeiten, die das Gepräge der 
modernen Zeitrichtung tragen. Zunächst ein jenem Meisterwerk von 
Tribsees (S. 144) noch nahe verwandter Altar, in dem benachbarten 
 
' Wach: im sPhßrlfschen KunstbL, 1833, N0. 2.  2 Vgl. Passavant, Nach- 
richten über Danzlgßs Kunstwerke, Kunstblatt 1847, Nro. 33, 35-  Üeber die 
Altäre in Calcar Selbst vorzüglich E. aus'm Weerth, a. a. 0., und Kölner Dom- 
blatt I, N0. 37 11.   Lübke, a. a. 0., S. 388, 397 etc.  4 Vgl. die aus- 
führlichen Notizen In melner Pommerüschen Kunstgeschichte, S. 206-421. (Kugler, 
K1. Schriften, I, 796 u. Hi). Weitere Mittheilungen von Hasselberg, deutsches 
Kunßtbl. 1855, S- 55-
        

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