Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692861
Zweite Periode. 
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mit einer vermehrten Gliederung; die Dienste, welche über ihrem Kapitäl 
aufsetzend als Gurtträger des Mittelschiffgewölbes emporstiegen, beginnen 
schon von ihrem Fusse an; andre Dienste lehnen sich an, als Träger der 
Gliederungen der die Flucht der Säulen verbindenden Scheidbögen, der 
Gurte des Seitenschiifgewölbes, die beiderseits unmittelbar von den Kapi- 
tälen ausgegangen waren. So wandelt sich die Säule zum Rundpfeiler 
(bei grossen Gesammtdimensionen zum Pfeiler kolossalen Verhältnisses), 
der mit schlanken säulenartigen Schaften besetzt ist, der mit diesen zu 
einer mehr oder weniger organischen Einheit verschmilzt und durch sie 
wiederum, wie früher der (in seiner Grundform starre) romanische Pfeiler' 
mit der Oberwand in innigem Wechselbezuge steht. Daneben fehlt es 
allerdings nicht an Beispielen der Nachbildung romanischer Pfeilerform; 
aber jene gothische, dem Princip und Kerne nach säulenartige Form 
äussert auch auf diese zumeist einen umbildenden Einfluss.  Im Ein- 
klang damit wandelt sich die Fensterbildung um. Das Fenster hatte bis 
dahin eine schlichte, im Wesentlichen romanisirende Form gehabt, ohne 
grosse Weite, ohne Füllung oder Theilung. Zuweilen waren die Fenster 
gruppenmässig geordnet gewesen, doch noch ohne eigentlichen Zusammen- 
hang. Jetzt bilden sie sich zunächst, in dem einzelnen Bogenfelde des 
Innern, in enger verbundenen Gruppen; die Zwischenräume zwischen die- 
sen werden zu schlanken Pfosten, die Gruppen bald zu einer Gesammt- 
öffnung, deren Pfosten sich in schlanke, durch ein Maasswerk von schlich- 
ter Strenge verbundene Säulenschafte umgestalten. Der Raum unter den 
Fenstern des Oberbaues, wo im Aeussern die Dachungen der niederen 
Seitenräume anlehnen, füllt sich insgemein durch jene leichten Wandgal- 
lerieen, die sogenannten Triforien, die schon in der romanischen Architek- 
tur beliebt waren, deren Anordnung nunmehr aber in ein näheres Wech- 
selverhältniss zu dem Säulcnschaftsystem der Fenster tritt, bis sie später 
mit der Architektur der letzteren ein völlig zusammenhängendes Ganzes 
ausmachen.  So sind für die Haupttheile des Inneren überall die be- 
wegten Organismen gewonnen, die sich in noch vermehrter Gliederung 
in den Bögen und den Gurten des Gewölbes fortsetzen, verschiedenartig 
belebt und entwickelt nach Maassgabe des zeitlichen Fortschrittes und 
der lokalen Uebertragungen. 
Das Gerüst des Aeusseren, das der Strebepfeiler und Strebebögen, 
fügt der schweren constructiven Form diejenige Ausstattung hinzu, welche 
sie dekorativ bereichert und ihr den Ansatz eigenthümlicher Bewegung 
giebt: krönende Aufsätze, die sich schliesslich zu leichten Fialen ausbil- 
den, Tabernake], denen sich Statuen einfügen, Nischenschmuck u. dergl. 
Die Flächen zwischen diesem Gerüst erscheinen durch die Fenster belebt, 
über denen sich aber erst im späteren Verlauf der in Rede stehenden 
Epoche, und innerhalb dieser noch in schlichter Behandlung, die Giebel 
oder Wimberge erheben.  Der Thurmbau ist im Ganzen noch von ein- 
fach massenhafter Erscheinung. Auf verschiedne Weise, zum Theil nach 
Anleitung der schon in der romanischen Epoche angewandten Motive 
strebt man dahin, den Obergeschossen der Thürme den Charakter schlan- 
ken Aufsteigens zu geben, mit hohen Fensteröffnungen, mit leichten 
Kugler, Handbuch der läunstgeschichte. II. 2
        

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