Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696869
Die selbständige 
Seulptur in 
Stein und Holz. 
417 
hut entstanden sein. Eine der vorzüglichsten Grabplatten des 15. Jahr- 
hunderts ist die Kaiser Ludwigs in der Frauenkirche von München, 
unter dem barocken Ueberbau.  
Von den Steinsculpturen der Rheingegenden' erwähnen wir den 
energisch gearbeiteten Grabstein des Erzbischofs Diether von Isenburg 
(1482) und das ungemein edle und grandios einfache Denkmal des Dom- 
herrn Albert von Sachsen (1484), im Dom zu Mainz; von den Denk- 
mälern aus der friihern Zeit des 16. Jahrhunderts ebendaselbst ist das- 
jenige des Erzbischofs Berthold von Henneberg (1504) vor allen durch 
schönen Ausdruck und feinc, wenn auch etwas conventionelle Behandlung 
ausgezeichnet; ähnlich diejenigen der Erzbischöfe Jakob von Liebenstein 
(1508), und Uriel von Gemmingen (1514). Sodann der grossartige Grab- 
stein des Erzbischofes Jakob von Syrk (gegen 1500), in der Liebfrauen- 
kirche zu Trier; minder bedeutend eine Grablegung in einer Nische 
ebendaselbst. Sowohl der geschmackvollen und reichen Renaissance-Ein- 
fassung als der lebensvollen, wenn auch bereits etwas manierirten Be- 
handlung des Figürlichen wegen sind ferner die Epitaphien der Erzbi- 
schöfe Richard von Greifenklau (1525-1527) und Johann von Metzen- 
hausen (gest. 1540) im Dom von Trier zu erwähnen. Früh und noch 
fast dem gothischen Styl angehörend: der Grabstein Ruprechts von der 
Pfalz (gest. 1410) in der h. Geistkirche zu Heidelberg.  Eines der 
edelsten deutschen Werke des 16. Jahrhunderts ist das Grabmal des 
Johann von Eltz und seiner Gemahlin (1548) in der Carmeliterkirche zu 
Boppar d. In einer reichen und eleganten Renaissance-Architektur ent- 
hält dasselbe verschiedene Reliefdarstellungen, deren bedeutsamste und 
vorzüglich ergreifende die Taufe Christi ist; unter derselben halten zwei 
höchst anmuthvolle Engelknaben eine Schale mit dem Haupte des Täu- 
fers. Von derselben oder einer verwandten Hand ist ein zartes und 
treffliches Votivrelief (Madonna mit Engeln und Donator) vom J. 1523 
in der Stiftskirche zu Oberwesel; ebendaselbst die sehr individuelle 
und lebensvolle Grabstatue des Canonicus Lutern (1515). Eine Anzahl 
ausgezeichneter Grabmäler des 15. und 16. Jahrhunderts finden sich in 
der Kirche zuWertheim.  Eine aus freien Statuen bestehende Gruppe 
des Gekreuzigten mit den Seinigen und den beiden Sßhäßhefll, auf dem 
Kirchof des Domes zu Frankfurt a. M. (1509) ist ebenfalls von guter 
und würdiger Behandlung.  Im Dom von Worms und der anstossen- 
den Nikolaikapelle das schöne Relief mit drei heiligen Frauen und 
mehrere grosse Nischen mit heiligen Scenen in Relief, Arbeiten einer 
ehrenwerthen Lokalschule, welche zwischen Adam Kraft und Veit Stoss 
etwa die Mitte hält.  Ein merkwürdiges Prachtstück dieser Zeit ist 
der ehemalige Lettner, jetzige Orgelbiihne der Kapitolskirche zu Köln, 
mit dem Datum 1523; der Name des Verfertigers, Roland, ist nicht 
mehr zu finden. In einer prachtvoll barocken Renaissanceeinfassung, in 
Nischen mit Baldachinen, ünden sich biblische Reliefs, Medaillons mit 
1 Ueber rheinische Sculpmren s. Kugler K1  S h '11; [I 266 
u. f., 736.  Ueber westphälische Sculptmeh vänäübig: ina-  
Kuglßr. Handbuch der Kunstgeschichte. II. 27 
346
        

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