Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696833
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Die nord. K. 
B. Sculptur. 
unter seinen bekannten Arbeiten betrachtet werden müssen. Seine Arbei- 
ten in Nürnberg sind später; unter ihnen sind hervorzuheben: Die Re- 
liefs der Passionsgeschichte, an den sieben, zu dem Johanniskirchhofe 
hinausführenden Stationen (1490); die grossen Darstellungen der Passion, 
am Aeusseren von St. Sebald, die reichste und bedeutsamste unter seinen 
Arbeiten, obwohl im Einzelnen etwas ungleich (1492); die Ausführung 
zur Kreuzigung, über einem Altare in S. Sebald (1496); das grosse, vier- 
undsechzig Fuss hohe Tabernakel in St. Lorenz, dessen Fussgesimse von 
dem Meister und zweien seiner Gesellen 1 getragen werden und das in 
mehreren Darstellungen wiederum die Passionsgeschichte enthält (1496 
bis 1500); ein meisterliches Relief über dem Thore der ehemaligen 
Frohnwaage, das Wägen von Waaren und die Entrichtung der Abgabe 
vorstellend (1497); ein Relief der Madonna mit Anbetenden, in der Lieb- 
frauenkirche (1498); eineiKrönung der Maria (zweifelhaft) ebendaselbst 
(1500); drei, minder bedeutende Darstellungen aus der Passion, im Chor- 
umgange von St. Sebald (1501); eine Madonna mit Anbetenden, in der 
Aegidienkirche (1501); eine Darstellung der Verkündigung an dem Hause 
Nro. 1 neben St. Sebald (1504); und eine grosse, aus freien Statuen 
bestehende Gruppe der Grablegung, in der Holzschuhefschen Begräbniss- 
kapelle auf dem Johanniskirchhofe (1507). Ausserdem schreibt man dem 
A. Kraft noch fünf Tabernakel, von kleinerer Dimension, als die im Vo- 
rigen angeführten, zu: in der Hauptkirche von Schwabach (1505), in 
der Klosterkirche zu Heilsbronn, und in den Kirchen von Fürth, 
Kalckreuth und Kazwang (unfern von Nürnberg). 
Als ein sehr bedeutender, etwas jüngerer Zeitgenosse des A. Kraft 
und als Künstler von verwandter Richtlmg ist Tilman Riemenschnei- 
der 2 von Würzburg zu nennen. Dieser fertigte (1499-1513) den Mar- 
morsarkophag des Kaisers Heinrichs II. und seiner Gemahlin Kunigunde, 
im Dome von Bamberg; auf dem Deckel des Monuments sieht man die 
Gestalten beider Heiligen, in ruhiger Lage, durch den Adel der Auffas- 
sung, wie durch die Bestimmtheit der Ausführung auf gleiche Weise 
ausgezeichnet; an den Seiten Scenen aus ihrer Legende. Von demselben 
Bildhauer rühren, im Dome von Würzburg, die meisterhaft und gran- 
dios behandelten Marmor-Monumente zweier Bischöfe, des R. von Sche- 
renberg (gest. 1495) und des L. von Bibra (gest. 1521), und an den 
Strebepfeilern der dortigen Liebfrauenkirche die strengen und ernsten 
Statuen der Apostel u. s. w. her.  Ein anderer Meister derselben Ge- 
gend ist Loyen Hering von Eichstädt; er arbeitete (1518-1521) das 
Marmor-Denkmal des Bischofes Georg 111. im Dome von Bamberg, 
und die Relieftafel über dem Grabe der Margaretha von Eltz (gest. 1519) 
in der Carmeliterkirche zu Boppard. 
In Augsburg war damals Adolph Dowher thätig, welcher (vor 
1522) für S. Anna zu Annaberg einen Altar, den Stammbaum Christi 
 
1 Ueber die Bildnisßstatue des Meisters vergl. das Schornüsche Kunstblatt, 
13371 NQ- 33-  2 Vergl; Kuglßr, Kleine Schriften II. S. 584 (vün Beckews M0- 
nographie über Tilman Rlemenschneider), und Kunstbl. 1850, S. 25 u. 309; und 
185a, s. 255. 
        

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