Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696821
selbständige Sculptur 
Die 
und 
in" Stein 
Holz. 
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Sculptur in Stein und Holz. 
Die selbständige 
Die selbständige Sculptur in Stein oder Holz steht, ihrem Ursprünge 
nach, noch in einem gewissen Verhältniss zur Architektur; die hieher ge- 
hörigen Werke erscheinen mehrfach noch in architektonischer Fassung, 
einige von ihnen sogar in einer Weise, dass das Architektonische daran 
überwiegt. Die Architekturformen sind vorherrschend noch die des gothi- 
schen Styles, dennoch üben sie, in solchem Betracht, keinen Einßuss 
mehr auf den Styl des Bildwerkes aus. Wie sie selbst zumeist nur als 
eine spielende Dekoration behandelt werden, so erscheinen die mit ihnen 
verbundenen Sculpturen im Wesentlichen frei von jenem bestimmenden 
Gesetze der Architektur und in dem entschieden realistischen Gepräge der 
Zeit. (Einzelne zierliche und sinnreiche Dekorationsstücke mit Figuren, 
fiirjwelche wir keinen näheren stylistischen Anknüpfungspunkt angeben 
können, mögen gleich hier genannt werden: die Kanzel des Münsters zu 
Basel und die ungleich prachtvollere des Münsters zu Strassburg, 
beide vom J. 1486, die letztere nach Angabe des Baumeisters Hans 
Hammerer; diejenige des Domes zu Freiberg von der Gestalt einer 
tulpenförmigen Blume; die reiche Treppe im Thomaschor des Domes zu 
Constanz, der Orgelchor in S. Pantaleon zu Köln (mit Sculpturen im 
Styl des Meisters der Lyversbergschen Passion), die Kanzel der Stifts- 
kirche von St. Goar, u. a.   
Für die frühere Zeit des 15. Jahrhunderts sind, was das in Rede 
stehende Fach der Sculptur anbetrifft, bis jetzt nur wenige bedeutende 
Beispiele anzufülmen. Höchst wichtig erscheinen unter diesen die Bild- 
werke der Kanzel in der Stephanskirche zu Wien, die angeblich im J. 
1430, imter Leitung des Baumeisters H. Buchsbaum oder A. Pilgram, 
gefertigt wurde; die Bildnerarbeiten schreibt man dem Andre Grabner 
und Peter von Nürnberg zu; die daran enthaltenen Brustbilder der vier 
Kirchenlehrer sind von einer eigenthümlich grossartigen Schönheit. Am Fuss 
der Kanzel sieht man das Bildniss des leitenden Baumeisters; und dasselbe 
noch"'einmal, doch im vorgerückten Alter, am Fuss des Orgelchores. 1 
Einer der bedeutendsten und thätigsten Meister in etwas späterer 
Zeit, über dessen Werke uns zugleich eine mehr umfassende Kunde vor- 
liegt, war Adam Kraft (gest. 1507). 2 Seine vorzüglichste Thätigkeit 
gehört Nürnberg an; er befolgt in seinen Werken das auf entschiedene 
Charakteristik und treue Lebenswahrheit gerichtete Streben der dortigen 
Schule, in jener Schärfe und Herbigkeit der Behandlung, die zu seiner 
Zeit auch in der nürnbergischen Malerei sichtbar wird. Doch war man 
schon geneigt, ihn als aus Ulm hcrstammend zu betrachten, auch ihm 
das grosse und kunstreiche, mit vielen Sculpturen geschmückte Taber- 
llakel im Münster von Ulm, welches 1469 begonnen und zu einer Höhe 
von 90 Fuss emporgeführt ward, zuzuschreiben. 3 Dies Werk würde, 
wenn solche Vermuthung sich weiter begründen sollte, als die früheste 
 1 Tsisehka, der St. Stephunsdonl in Wien, T. 21 u. 22.  2 Diääiftirfber" 
813011911 Künstler, geschildert nach lhrem Leben und ihren Werken, e '  
3 Grüneisen und Manch, Ulm's Kunstleben, S. 28.
        

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