Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696817
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B. Sculptur. 
in den Fenstern der Sebaldus- und der Lorenzkirche noch vorzügliche 
Denkmale solcher Art vorhanden sind. Namentlich war hier in dieser 
Kunstgattung die Familie der Hirschvogel, imd unter den Gliedern 
derselben besonders Veit Hirschvogel (1461-1525), ausgezeichnet; 
(von letzterem ein Fenster der Sebalduskirche). In der Lorenzkirche gilt 
das V01kamer'sche Fenster (um 1480) als eins der ersten Meisterwerke 
seiner Art. 1  Andre vorzügliche Leistungen gehören Ulm an, wo sich 
im Ohore und in der Besserefschen Kapelle des Münsters schätzbare 
Glasmalereien vorfinden. Die bedeutendsten Meister, die an diesen gear- 
beitet, sind Oramer und Hans Wild (1480).  Gleichzeitig und spä- 
ter sind die im Chor des Münsters von Freiburg im Br.  Den höch- 
sten Ruhm aber  wenn auch mehr durch ihre Wirkung als durch 
ihren künstlerischen Gehalt  haben die prachtvollen Glasmalereien, 
welche die Fenster im nördlichen Seitenschiff des Domes von Köln 
schmücken und deren Anfertigung in den Anfang des 16. Jahrhunderts 
(1509) fallt. Die schon oben (S. 157) als Werk des Domenico Livi ge- 
nannten Lübecker Fenster, vielleicht die vorzüglichsten des 15. Jahr- 
hunderts bin Deutschland überhaupt, verdienen eine nochmalige Erwäh- 
nung an dieser Stelle, weil jene Benennung doch nicht völlig fest steht.  
Von andern norddeutschen Glasgemälden werden diejenigen in der Kirche 
von Werben a. d. Elbe (Altmark) und in mehrern westphälischen Kir- 
chen besonders gerühmt. 
Sculptun 
Für die nordische Sculptur der gegenwärtigen Periode liegen uns 
nur Mittheilungen in Bezug auf Deutschland vor. 2 Auch diese sind 
(wie die über die frühere Zeit) nur von fragmentarischer Beschaffenheit; 
und obgleich wir durch sie einzelne Meister und einzelne Werke v0n 
charakteristischer Bedeutung kennen lernen, so können wir doch, für 
jetzt, die Entwickelungsverhältnisse und die etwa vorhanden gewesenen 
Wechselwirkungen keinesweges mit durchgehender Bestimmtheit nach- 
weisen. Im Allgemeinen ist zu bemerken, dass wir in der deutschen 
Sculptur dieser Periode, was die Aufassung und Behandlung anbetrifft, 
ähnliche Sohuluntersehiede wahrnehmen, wie in der Malerei. Nach dem 
gegenwärtigen Standpunkte unserer Kenntniss ist es indess für die Ueber- 
sicht vortheilhafter, wenn wir die letztere zunächst nicht nach den Schu- 
len, sondern nach den einzelnen Gattungen der Sculptur ordnen; und 
zwar unterscheiden wir in diesem Bezuge: die selbständige Sculphlr 
grösseren Maassstabes in Stein oder Holz,  die Sculptur in ihrer Ver- 
bindung mit der Malerei (oder in ihrer Abhängigkeit von der letzteren), 
 die Arbeit in Bronze,  die Schnitzkunst kleineren Maassstabes (vor- 
nehmlich als Bildllerei der Portraitmedaillons). 
1 Vergl. die Aufsätze über dasselbe im Sch0rn'schen Kunstbl. 
59 und N0. 71.  2 Denkmäler der Kunst, T. 85. 86- 
1842, N0. 
107
        

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