Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696725
Schulen 
deutschen 
Die 
der Malerei. 
403 
drei Oelbilder aus der Zeit seiner künstlerischen Reife: Lucretia und 
Bathseba (beide vom J. 1517, auf der Rückseite des letzteren Bildes die 
Umarmung des Todes mit einer Jungfrau), sowie das treffliche Gemälde 
der Enthauptung Johannis. An andern Orten sieht man Bildnisse; im 
Besitz der Familie Manuel zu Bern, u. a., eine grosse, mit keckem 
Humor gemalte Bauernhochzeit. Ein höchst umfassendes Werk des Manuel 
war ein grosser Todtentanz, auf eine Mauer des Dominikanerklosters zu 
Bern gemalt (zwischen 1514-1522); nach Abbruch der Mauer ist das- 
selbe nur in zwei kleinen Copien erhalten (hsg. in lithogr. Nachbildung). 
Eine freie und gewaltige Ironie der Erscheinungen des Lebens, der es 
gleichwohl nicht an besonnener künstlerischer Gemessenheit fehlt, spricht 
sich in den Compositionen dieses Werkes aus. Einzelnes darin enthält 
satyrische Anspielungen auf die kirchlichen Gebrechen der Zeit; in an- 
dern Arbeiten von Manuels Hand steigert sich diese Satyre zu grossar- 
tiger Poesie, wie namentlich in einer Handzeichnung (im Besitz des Herrn 
v. Grüneisen zu Stuttgart), welche die Auferstehung Christi und als 
Wächter des Grabes katholische Pfaffen und Nonnen, zum Theil in un- 
ziemlichen Geberden, vorstellt. 
Auf Niclaus Manuel folgt Hans Hclbein der jüngerel (1498 
bis 1543), der Sohn jenes älteren Meisters desselben Namens, und zu- 
nächst von diesem in Augsburg, dann in Basel gebildet, in der späteren 
Zelt seines Lebens, von 1526 an, zumeist in England tliätig. Hclbein 
erreicht, wie wenige unter den Meistern der Malerei des Nordens, eine 
so vollendete künstlerische Dnrchbildung, in der Klarheit und Würde der 
Form sowohl, wie in der einfachen Schönheit des Colorits, dass er hierin 
mit den italienischen Zeitgenossen, namentlich mit den Meistern der Lom- 
bardei, auf gleicher Stufe steht. Es ist höchst wahrscheinlich, dass ein 
näherer Einfluss von dort aus seine Entwickelung wesentlich gefördert 
habe; doch ist er keinesweges als ein Nachfolger italienischer Richtungen 
zu bezeichnen. Vielmehr erscheint seine Auffassung durchweg deutsch, 
nur dass die realistische Sinnesweise, welche wie in der nordischen Kunst 
überhaupt, so auch bei ihm vorherrschend blieb, hier mit geläuterter 
Würde und mit einer unerschöpflichen geistigen Tiefe verbunden auftritt; 
seine Kenntniss des Menschen ist bei Weitem die vielseitigste und mit 
einer ebenso erstaunlichen Darstellungsgabe verbunden. Seine vorzüg- 
lichste Thätigkeit bestand (da ihn wie so viele Zeitgenossen die begin- 
nende Reformation überraschte) im Fache der Portraitmalerei; Bildnisse 
seiner Hand sind in allen Galerien, in vorzüglichem Reichthum in den 
englischen Sammlungen, verbreitet. Man unterscheidet in diesen Arbei- 
ten vornehmlich drei Stadien seiner Entwickelung: die früheyen Bildnisse, 
bis zur Zeit um das Jahr 1528, entsprechen noch ziemlich bestimmt der 
Behandlungsweise der älteren oberdeutschen Malerei, indem sie mit etwas 
trockenem Vortrage einen klaren hellgelblichen Fleischton verbinden; 
(eine beträchtliche Anzahl, worunter zwei wunderbare weibliche Halb- 
iiguren vom Jahr 1526, in der öHentlichen Sammlung zu Basel, das 
Familienbild ebendort und zwei Porträts im Louvre von 1527 u. 1528); 
1 Denkmäler der Kunst, 
Taf. 84.
        

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