Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696665
Schulen der Malerei. 
Die deutschen 
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Theils stark übermalt und somit für die Beobachtung des künstlerischen 
Styles zumeist ohne Werth, dennoch die rüstige Verbreitung eines Kunst- 
zweiges bezeugen, dem man, in Bezug auf die nordische Kunst, insge- 
mein nur eine sehr untergeordnete Bedeutung zuschreibt. Dergleichen, 
in geringerem oder grösserem Umfange ausgeführt, finden sich in der 
Stiftskirche zu Göppingen (um 1449), in der Klosterkirche zu Lorch, 
in der alten Kirche des Dorfes Hohenstaufen, im.Kreuzgange des 
Klosters von Denkendorf (nach 1462), in der Kirche von Weilheim 
(nach 1489, hier in bedeutender Anzahl und durch die Auswahl der Ge- 
genstände, sowie durch das Allgemeine der Auffassung noch heute sehr 
beaohtenswerth, namentlich eine grosse Darstellung des Rosenkranzes), 
und schliesslich in der Kapelle des ehemaligen Weikmannischen Hauses 
zu Ulm (aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts), 
An Tafelmalereien oberdeutscher Kunst ist eine bedeutende Menge 
vorhanden, die uns einen näheren Einblick in die dort ausgebildeten 
Richtungen verstattet; auch fehlt es uns für diese Werke nicht an den 
Namen der vorzüglichsten Meister, welche die Hauptpunkte des künst- 
lerischen Strebens bezeichnen. S0 erscheint in Schwaben schon ziemlich. 
früh ein bedeutender Meister, Lucas Moser von Weil, von welchem 
die, zumeist auf die Legende der heil. Magdalena bezüglichen Malereien 
eines Altares zu Tie fenbronn (am Schwarzwalde, zwischen Calw und 
Pforzheim) herrühren; sie sind mit seinem Namen und der Jahrzahl 1431 
bezeichnet. Die Bilder zeichnen sich durch hohe Anmuth, Zartheit und 
Milde aus; auch lassen sie, obgleich im entschieden oberdeutschen Ge- 
präge, bereits eine Neigung zur Richtung der iiandrischen Kunst, noch 
vor jener durch F. Herlen bewirkten näheren Vermittelung erkennen.  
Ein dem L. Moser nahe verwandter Künstler ist Martin Schongauer 
oder Schön (gest. nach 1490). Auch er stammt wahrscheinlich aus Schwa- 
ben, und zwar aus einer in Ulm ansässigen Künstlerfamilie; auch auf 
seine Bildung waren vielleicht flandrische Einiiüsse wirksam. Um die 
Mitte des Jahrhunderts erscheint er in Ulm thätig, später wandte er sich 
nach Colmar im Elsass, wo er gestorben ist. Seine Werke gingen häuiig 
nach Italien, Spanien, Frankreich und England; über das, was in Deutsch- 
land von seiner Hand herrührt, hat man erst in jüngster Zeit einige 
kritische Forschungen begonnen. 1 Höchst bedeutend sind zunächst seine 
Kupferstiche, in welchem Fache der Kunst er als einer der ersten Mei- 
ster von namhafter Wichtigkeit erscheint; dagegen ist die Zahl der ihm 
mit einiger Sicherheit beizulegenden Gemälde leider nur gering. Es 
spricht aus denselben ein ernster und edler Geist; man findet darin, bei 
grosser Tiefe des Ausdrucks, bereits die Entfaltung einer edleren, selbst 
zum Idealen gesteigerten Schönheit, während gleichzeitig jedoch das 
Gemeine und Unheilige gemein oder in phantastisch seltsamer Bildung 
1 Besonders Hr. v. Qllßlldt, im Sßholnschen Kmxstblatt, 1840, Nro. 76-49. 
Vgl. die Aufsätze von Gessert, ebendas, 1841, Nro. 7 -14 und Nro. 15;  und 
Grüneigen, im Manuel, S. 62; Ulmls Kunstleben, S. 34.  Waagen, Kunstwerke 
und Künstler in Deutschland, H, S. 308 1T.  Passavant, im Kunstblatt 1846, 
a. a. O. (Von den Münchner Bildern erkennt derselbe bloss David's Triumph 
als echt an.)
        

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