Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696659
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K. Die nord. K. 
A. Malerei. 
Nach OberdeutschlaniP ward der Einfluss der niederländischen 
Schule ebenfalls hinüber-getragen; hier jedoch (d. h. vornehmlich in Schwa- 
ben, im Elsass und in der Schweiz) verblieb man nicht in einer ähnlichen 
Abhängigkeit, vielmehr gab hier jener Einfluss nur die Anregung zur 
Entwickelung eigenthümlicher und selbständig gültiger Richtungen. Der 
gemeinsame Charakter der oberdeutschen Schulen besteht in dem anspre- 
chenden Gleichmaass zwischen dem Streben nach schlicht realistischer 
Auffassung der Form und nach dem Ausdrucke einer gemüthlichen, in 
sich gesammelten Stimmung; ihre Werke haben vorherrschend das Ge- 
präge eines klaren sittlichen Gefühles, in seinem Bezuge auf die Verhält- 
nisse des Lebens. Sie gehen nicht mit gleicher Schärfe, wie die Bilder 
der Eyck'schen Schule, auf die Einzelheiten der Erscheinung ein, aber 
das künstlerische Streben verliert sich auch nicht in diesen Einzelheiten, 
indem mehr auf eine ruhige, harmonische Gesammtwirkung gesehen wird. 
In der Behandlung herrscht zumeist ein weiches Element, in der Färbimg 
ein zarter und lichter Ton vor. Von der einfachen Naturanschauung 
ausgehend, entwickeln sich die vorzüglichsten Meister oft zu einer hohen 
und liebenswürdigen Anmuth. 
Für die unmittelbare Uebertragung Handrischer Behandhmgsweise 
nach dem oberen Deutschland ist zunächst, obschon bereits der zweiten 
Hälfte des 15." Jahrhunderts angehörig, ein besondrer Meister anzuführen: 
Friedrich Herlen, der sich in der Schule der Eycks, vermuthlich bei 
dem Rogier van Brügge, ausgebildet hatte. Er erscheint als ein tüchti- 
ger Nachfolger des Eyck'schen Styles, indess nur in einem mehr hand- 
werksmässigen Sinne. Seine Thätigkeit gehört Schwaben an. Zu Ro- 
thenburg an der Tauber malte er die Tafeln an dem Hochaltar der. 
Kirche St. Jacob mit der Geschichte der Maria (1466), und eine Madonna 
mit der heil. Katharina, jetzt auf dem dortigen Rathhause. Früher und 
später arbeitete er auch in Nördlin gen, wo in der Georgskirche meh- 
rere Gemälde eines Altars (1462?) und ein Votivgemälde mit der Madonna 
und der Familie des Stifters (1488) von ihm herrühren. Im J. 1472 hatte 
er die Gemälde des Hochaltars für die Kirche des h. Blasius zu Bopfin- 
gen, noch früher vielleicht einen Altarschrein in S. Georg zu Dinkels- 
bühl gefertigt. Auch der Hochaltar im Dom von Meissen mit einer 
trefflichen Anbetung der Könige wird ihm zugeschrieben. 
Von dem Sohne des Friedrich, dem Jesse Herlen, war u. a. im 
Jahr 1470 ein grosses Wandgemälde im Münster von Ulm, das jüngste 
Gericht vorstellend, über dem Triumphbogen des Chores gemalt worden; 
nachmals hat man dasselbe übertüncht. Neben diesem mag des Vorhan- 
denseins noch verschiedener andrer Wandgemälde in Schwaben, aus 
früheren und späteren Jahren, gedacht werden, die, obgleich grössten 
 
1 Vergl. besonflers Grüneisen und Manch, Ulm's Kunstleben im Mittelalter, 
und das Sendsehrelben von Grüneisen, im Kunstblatt, 1840, Nro. 96, 98.  So- 
dann Waagen, Kunstw. und Künstler in Deutschland, und Passavant, im Kunst- 
blatt, 1846, Nro. 41-48.  Für die böhmische Malerei des 15. und 16. Jahr- 
hunderts s. Passavant, m v. Quasffs Zeitschrift, I, N0. 6. und Wocel, in den 
Wiener nlßlittheilungen" etc.
        

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