Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696649
deutschen Schulen der Malerei. 
Die 
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die Gemälde über dem Hochaltar der Kirche St. Victor zu Xanten (1536); 
andere im städtischen Museum und in der Haanlschen Sammlung zu 
Köln, im Museum von Berlin. Seine Bildnisse gelten gewöhnlich für 
"Hans Holbein.  Minder bedeutend ist Johann von Mehlem u. A. 
 Weiter rheinaufsvärts begegnen wir einem Frankfurter Maler Konrad 
"Fyoll, dessen Werke (1461 bis 1476, im StädePschen Institut, in der 
Münchener Pinakothek, u. a. O.) einen guten Nachfolger der ilandri- 
sehen Weise erkennen lassen. 
In Westphalen' zeigen sich ebenfalls vielfache Elemente der nie- 
derländischen Kunst, theils in reinerer Aufnahme, theils in besondrer 
Umgestaltung. In edelster Weise, durch einen schönen gothischen Nach- 
klang gemässigt, zeigt sich dies bei dem Werke eines unbekannten Mei- 
sters, dem im J. 1'465 gemalten Altar des Klosters Liesborn (bei Mün- 
ster), dessen Bruchstücke aus der Sammlung des Regierungsrathes Krüger 
zu Minden neuerdings in die Nationalgalerie zu London übergegangen 
sind; die milde sinnige Anmuth spricht sich hier in ebenso zarter Fär- 
bung wie in edel durchgebildeten Formen auf's Glücklichste aus. Bei 
andern westphälischen Malern macht sich ein gewisses phantastisch lei- 
denschaftliches Wesen geltend, das vornehmlich an jenen langgestreckten 
Gestalten, die mehrfach bei den niederländischen Meistern bemerkt wur- 
den, und zugleich an überfüllten, dramatisch übertriebenen Oompositionen 
sein Wohlgefallen findet. In dieser Richtung ist für die zweite Hälfte 
des 15. Jahrhunderts namentlich ein Meister J areinus von Soest hervor- 
zuheben, dem dabei jedoch eine geistreiche Auffassung nicht abgesprochen 
werden darf. Sein Hauptwerk bilden die Tafeln eines Altares mit Seenen 
-aus dem Leben Christi (auf dem Hauptbilde die Passion), im Berliner 
Museum.  Verwandter Richtung gehört Raphon von Eimbeek an; 
doch erscheinen bei diesem Künstler zugleich Elemente, die auf die mit- 
teldeutsche (fränkische) Malerei deuten. Von ihm rühren her: eine Kreu- 
zigung Christi, in der Universitätsbibliothek zu Göttingen (1506); ein 
zweites Bild desselben Gegenstandes, im Dome von Halberstadt (1508), 
und zwei Tafeln bei Hrn. Hausmann in Hannover.  Von verwandtem 
Styl sind die Bilder des Hauptaltars der Dominicanerkirche zu Dortmund 
(1521) und eine Kreuzigung im Berliner Museum, von Victor und 
Heinrich Dünwegge; von denselben auch eine Darstellung der Sipp- 
schaft Mariä im Museum zu Antwerpen.  Später blühte" in West- 
phalen und zwar in Münster die Künstlerfamilie zum Ring; ihre Werke 
bilden wiederum den Uebergang zur italienischen Behandlungsweise. Die 
bedeutendsten Glieder dieser Familie sind Ludger zum Ring (sein 
Hauptwerk, vom Jahr 1538, im Besitz deswestphälisehen Kunstvereins 
zu Münster); und dessen Sohn Hermann zum Ring (Auferweckung 
des Lazarus im Dome von Münster). 
iiiiii-i- 
1 Vergl. mehrere Aufsätze von C. Becker im Kunstblatt, ferner Hotho, die 
Schule der van Eyck, und Wj. L-übkct Mlttelalterliehe Kunst in Westphalen.  
Ueber Raphml s. Kugzvr, Klelne Schnften, I, S. 139 u. 43a. 
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