Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696587
Schulen. 
Die niederländischen 
389 
Zahnarzt, im Devonshirehouse zu L on d o n; eine Spielgesellschaft, zu 
Wiltonhouse; ein Bildniss, in der Liverpool-Institution in Eng- 
land.  Einem etwas älteren Zeitgenossen, J an Mos taert aus Harlem 
(1474-1555) schreibt man einen Altar in der Marienkirche zu Lüb eck, 
eine Glorie und zwei Bildnisse in der Akademie von Antwerp en, und 
zwei Madonnenbildchen im B erl in er Museum zu;  Werke, welche 
sich durch Lieblichkeit des Ausdruckes, weiche Modellirung und wohlaus- 
gebildete Landschaften auszeichnen.  
Am Ende des 15. und mehr noch in den ersten Jahrzehnten des 
16. Jahrhunderts (d. h. gleichzeitig mit den Arbeiten der letztgenannten 
holländischen Meister) zeigt sich eine neue Umwandlung des Strebens 
der flandrischen Schule; die Künstler, welche in diesem Betracht anzu- 
führen sind, gehören zumeist Brabant an. Ihre Absicht ist auf eine 
grössere Kräftigung der Form, als bis dahin erreicht war, auf eine ent- 
schiedener ausgesprochene Charakteristik, auf eine grössere Tiefe und 
Energie des dramatischen Ausdruckes gerichtet. Dabei tritt aber auch 
bei ihnen eines Theils jene genre-artige Auffassung hervor, andern Theils 
lernen sie die Vorzüge der italienischen Kunst kennen und bestreben sich, 
ihre Gebilde nach dem Styl der letzteren, besonders nach dem Styl der 
römischen Schule oder nach Michelangelofzn gestalten. Doch bleibt die 
italienische Auffassungsweise häufig im Widerspruch mit ihrer nationalen 
Richtung, und die Werke, die unter solchen Verhältnissen entstanden 
sind, haben mehr oder weniger etwas Frostiges für das Gefühl. 
Zu diesen Künstlern gehören: Anton Olaessens; von ihm  
zwei Bilder in der Akademie von Brügge (1498), das Urtheil des Cam- 
byses vorstellend und schon in dem Gegenstande (ein ungerechter Rich- 
ter, dem die Haut abgezogen wird) charakteristisch für die abweichende 
Richtung der Zeit.  Rogier van der Weyde aus Brüssel; sein 
Hauptwerk eine Abnahme vom Kreuz, im Berliner Museum (1488) ist 
im Wesentlichen eine Wiederholung der Madrider Kreuzabnahme; der- 
selbe Gegenstand in den Museen von Liverpool, Neapel und Schleiss- 
heim; das Fragment einer Kreuzigung im StädePschen Institut zu Frank- 
furt a. M. Mehrere schöne Bildnisse in der Nah-Galerie zu London. 
 Qnintin Messys oder Matsys von Antwerpen (geyß 1529), einer 
der vorzüglichsten und eigenthümlichsten unter den niederländischen Mei- 
stern der Zeit, der indess in der Färbung meist blass, kraftlos und ver- 
blasen ist und weder im Ausdruck der Empfindung immer Maass zu hal- 
ten, noch auch einem Hange nach genrehaften, selbst gemeinen und 
rohen Zügen zu widerstehen weiss. Belege dafür bietet in Menge ein 
Hauptwerk, eine Abnahme vom Kreuz, mit dem Martyrthum der beiden 
Johannes auf den Flügeln in der Akademie von Antwerpen, zum Theil 
durch ein sehr grossartiges Pathos ausgezeichnet, theils aber, namentlich 
in der Marter des Evangelisten Johannes, tief in's Grasse und abschreckend 
Hässliche sich verirrend; ebendaselbst die Köpfe Christi und der Maria, von 
grossartiger Schönheit und Milde. Aehnliche Köpfe sieht man von ihm
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.