Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696568
Die niederländischen 
Schulen. 
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der Oarnation kühler ist.  Schüler des Albert war Gerhard van 
Haarlem, von dem sich zwei, Wiederum höchst bedeutende Werke in 
der k. k. Galerie zu Wien befinden: die Klage über dem Leichnam 
Christi und die Geschichte der Ueberreste des Täufers Johannes. In der 
AbePschen Sammlung zu Stuttgart dürften ihm zwei alttestamentliche 
Rundbilder angehören.  Neben diesem ist ein dritter Holländer von 
verwandter Richtung, Dierick Stucrbout, gen. Dirck van Haar- 
lem, (gegen 1390-1478) anzuführen, der, wie es scheint, lange Zeit in 
Löwen thätig war. Er ist durch grosseGlut und Tiefe der Farbenge- 
bung ausgezeichnet, ahmt indess häufig Memling nach und übertreibt, 
namentlich in seinen späteren Bildern, manchmal das Gestreckte in den 
Verhältnissen und die Eckigkeit der Bewegungen, hat auch in der Aus- 
führung bisweilen etwas Schwerfälliges. Von ihm zwei Bilder, eine auf 
Kaiser Otto bezügliche Legende enthaltend (1468), früher in der Samm- 
lung des Königs der Niederlande, und Augustus mit der Sibylle, bei 
H. Schöff Brentano zu Frankfurt a. M. Ferner die früher dem Justus 
von Gent zugeschriebenen vier zusammengehörigen Gemälde des Berli- 
ner Museums und der Münchener Pinakothek, dort das Passahmahl 
und Elias mit dem Engel, hier Melchisedek und die Mannalese, sowie 
von derselben Hand als fünftes die Auferstehung Christi in der Moritz- 
kapelle zu Nürnberg. Mit diesen Bildern stimmt die Illarter des heil. 
Erasmus in S. Peter zu Löwen überein, während ebendort das Abend- 
mahl eine merklich kühlere Farbenstimmung und minder scharfe Model- 
lirung zeigt. Ausserdem ein vorzüglich schönes Bild des Meisters bei 
Sir Charles Eastlake in London.  _ 
Gleichzeitig macht sich in der holländischen Kunst eine bedeutende 
Neigung zu abenteuerlichen Phantastereien bemerklich. Der Hauptreprä- 
sentant dieser Richtung ist Hieronymus Bosch oder Bos aus Her- 
zogenbusch; eine Darstellung der Hölle von seiner Hand, im Berliner 
Museum, ist vielleicht das Tollste, was in solcher _Art je gemalt worden. 
Die Mehrzahl seiner Bilder befindet sich in Spanien, acht Tafeln allein 
im Museum zu Madrid, darunter eine schöne Anbetung der Könige, 
offenbar aus seiner Jugendzeit, und noch durchaus maassvoll und an- 
ziehend. 
Abweichend von dem Styl der ilandrischen Schule, den jene Meister 
von Haarlem aufgenommen hatten, erscheint Cornelius Engelbrecht- 
sen von Leyden (1468-1533). Er ist minder einfach in der Composition, 
im Kostüm öfters etwas phantastisch, im Nackten ziemlich mager; im 
Allgemeinen ist er nicht als ein Künstler von hoher Bedeutung zu be- 
zeichnen. Sein Hauptwerk ist eine Kreuzigung Christi, mit dem Opfer 
Abrahams und dem Wunder der ehernen Schlange auf den Flügeln, im 
Stadfhause zu Leyden.  Ungleich merkwürdiger ist der Schüler des 
Cornelius, Lucas von Leyden (1494-1533).1 Voll Originalität in 
der Erfindung, wie in der zierlichen Ausführung seiner Gemälde, zeigt er 
sich einer höheren und würdigeren Auüassung gleichwohl weder gewach- 
sen noch geneigt, wie denn auch seine Köpfe fast durchweg geradezu 
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Taf. 
1 Denkmäler der Kunst,
        

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