Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696482
Schulen. 
Die niederländischen 
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der niederländischen Miniaturmalerei und Sculptur jener Zeit ersehen, ein 
naturalistisches Element in der künstlerischen Auffassung mit Entschie- 
denheit bemerklich gemacht; in demselben fand das neue Streben der Zeit 
somit einen näheren Anlass und eine sichere Grundlage vor. Zugleich 
aber scheint es, dass man in Bezug auf diese freie Behandlung der bil- 
denden Kunst auch das Verhältniss zur niederländischen Architektur ins 
Auge fassen muss. Dies Verhältniss hat eine gewisse Verwandtschaft 
mit dem zwischen der Architektur und der bildenden Kunst in Italien. 
Denn ebenso, wie dort (und nur einzelne Ausnahmen abgerechnet), war 
auch in den Niederlanden die Architektur des gothisehen Styles nicht zur 
Ausbildung gekommen; den architektonischen Monumenten fehlte hier 
ebenfalls jenes organische Gesetz, welches das Ganze wie das Einzelne 
mit gemeinsamem Leben durchdringt, Welches somit auch auf das Werk 
der bildenden Kunst (sofern dasselbe überhaupt auf monumentale Bedeu- 
tung Anspruch macht) seinen Einfluss äussern musste. Die bildende Kunst 
war hier durch dies Gesetz eines gemeinsamen Styles weniger gebunden; 
sie konnte demnach gleich von vornherein die neue Richtung der Zeit 
völlig und unbehindert in sich aufnehmen und zur Erscheinung bringen. 
Wie deutlich man sich einer solchen Unabhängigkeit von den Formen der 
Architektur alsbald bewusst ward, zeigt namentlich auch der Umstand, 
dass in den Gebäulichkeiten, die man in den Bildern darstellte, im All- 
gemeinen weniger der gothische Styl (der doch in der Ausübung der 
Architektur noch seine entschiedene Gültigkeit hatte), als der romanische 
Styl erscheint, dessen Formen dem in der bildenden Kunst hervortreten- 
den realistischen Streben ungleich mehnzusagen mussten. 
Die Meister, die an der Spitze dieser neuen Richtung, in welcher 
die flandrische Maler-schule erscheint, stehen, sind die Gebrüder Hubert 
van Eyck (um 1366-1426) und Johann van Eyck (geb. gegen 1390, 
gest. 1441), beide vornehmlich in Brügge thätig. In gewissen Beziehun- 
gen lassen sie noch ein Verhältniss zu der früheren Periode der Kunst 
erkennen; so erinnern namentlich die Arbeiten, die man dem älteren von 
beiden, dem Hubert, mit Sicherheit zuschreiben kann, zum Theil noch 
an die Typen des gothisehen Styles; so ist in der gemüthliehen Stimmung, 
in dem Gedankengange, der sich in ihren Werken aussert, zum Theil 
noch etwas Verwandtes mit den inneren Principien des romantischen 
Zeitalters zu erkennen. Dennoch sind sie von dessen Darstellungsweise 
wesentlich verschieden. Mit vollkommenster Unabhängigkeit gehen sie 
zugleich auf die Erscheinungen der Natur ein; Alles was den Menschen, 
in der Enge seines häuslichen Verkehres, wie in dem Oßenen und heiter- 
ren Leben der Natur umgiebt, nehmen sie in ihre Bilder auf, sie ahmen 
es mit der liebevollsten Sorgfalt nach, und sie bringen es in solchem 
Streben zu einer fast illusorischen Wirkung. Eine Wesentliche Unter- 
stützung fanden sie darin durch die ausgebildete und bis dahin (für solche 
Zwecke wenigstens) unbekannte Technik der Oelmalerei, deren Eründung 
dem Johann zugeschrieben wird.  
Die Gebrüder van Eyek sind aus der Schule jener älteren Miniatur- 
maler hervorgegangen; sie selbst haben in diesem Kunstzweige, der über- 
haupt auch im Verlauf des lößdahrhunderts sich vielfacher Anwendung
        

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