Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696371
368 
III. 
Die ital. 
bild. Kunst in d. 
ersten Hälfte d. 
J ahrh. 
B. Malerei. 
in der grossen Kreuztragung sich zu sehr bedeutender Wirkung auf- 
schwingt.  Hieher gehört auch der früh verstorbene Pellegrino Mu- 
nari oder Aretusi von Modena. 
Mehrere Künstler, die ursprünglich in der Schule des Franeesco 
Francia zu Bologna gebildet waren, gingen später in die Schule Rafaels 
über oder nahmen, ohne die letztere besucht zu haben, den Styl Rafaels 
auf. Zu den ersteren gehören: Timoteo Viti (oder della Vite, um 
1470-1523) aus Urbino; in seinen frühern Werken der gemüthvollen 
Weise des Francia verwandt, so besonders in einem höchst anmuthigen 
Bilde der h. Magdalena in der Pinakothek von Bologna, in einer Ver- 
kündigung mit Johannes dem Täufer und dem h. Sebastian, in der Brera 
zu Mailand und mehreren Bildern in der Sakristei des Domes von Ur- 
bino und im Dom von Gubbio; später ein etwas lahmer Nachahmer 
Rafaels (Bilder im Berliner Museum);  und Bartolommeo Ra- 
menghi, gen. Bagnacavallo (1484-1542), einer der edelsten und 
selbständigsten Nachfolger Rafaels, dessen Bilder jedoch selten sind; 
Hauptwerke: ein Altarblatt voll Adel und Würde in der Galerie von 
Dresden, ein zweites im Berliner Museum, ein drittes, die Beschnei- 
dung (früher Giulio Romano genannt) im Louvre; Fresken in S. Maria 
della Paee zu Rom.  Unter den andern Schülern Francials sind hier 
anzuführen: Innocenzo Francucci da Imola, anziehend gemüth- 
voll, aber ohne Phantasie, oft ganze Gruppen aus Rafaels Bildern entleh- 
nend (Pinakothek von Bologna u. a.   Girolamo Marchesi 
da Ootignola, ein tüchtiger Meisterf  Pellegrino Tibaldi, 
(gen. Pell. da Bologna, zum Unterschied von Pellegrino Munari da Mo- 
dena), ein durchaus eklektischer Künstler, war zumeist in Spanien thä- 
tig; u. A. m.  
Aus der älteren Schule von Ferrara ging Benvenuto Tisio, gen. 
Garofalo (1481-1559), theilweise in Cremona gebildet, zu Rafael über. 
Seine Bilder, besonders die aus seiner früheren Zeit, zeigen eine gewisse 
frappante Farbenwirkung; später verschmelzt er damit die Typen des 
rafaelischen Styles auf eine nicht unglückliche Weise. Uebrigens war 
ihm kein besonclrer Reichthum der Phantasie eigen, dagegen zeigen seine 
Bilder meist einen treuhcrzigen Zug, der nicht selten in's Hausbackene 
übergeht. Er ist in den italienischen Galerien sehr häufig; seine Haupt- 
werke sieht man in Ferrara (namentlich in S. Francesco und in der 
öffentlichen Galerie, dem sog. Ateneo); andere wichtige Bilder in den 
Galerien Borghese, Doria, Sciarra und Chigi, in der Sammlung des Ca- 
PitOlS Zu Rom u. a. a. O.  Aehnliches Streben zeigt sich bei mehre- 
ren seiner ferraresischen Zeitgenossen. So bei Lodovico Mazzolino 
(1481-1530), der indess mehr in der alterthümlichen Richtung befangen 
bleibt, auch das Phantastische, in der Composition wie in dem Glanze 
 
1 Nicht zu verwechseln mit den viel anziehenderen älteren Meistern Bernar- 
dino und Franoesco Cotignola, eigentlich Zaganolli, aus der Schule von 
Ravenna, am ehesten aber in Venedig gebildet, von denen Bilder etwa auf der 
Höhe des Cima da Conegliano stehend, in der Brera zu Mailand und anderswo 
vorkommen, meist ausgezeichnet durch blühende Färbung und zierlichste Vollen- 
dung.  O. M.
        

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