Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696355
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Die ital. bild. Kunst in d. ersten Hälfte d. 16. Jahrh. 
Malerei. 
ihn mehr darauf hin, ein keckes, frisches Naturleben, unbekümmert um 
das tiefere Leben der Seele, mit raschen Zügen zu entfalten. Der kirch- 
lichen Malerei zog er demgemäss gern die Darstellung antiker, namentlich 
mythischer Gegenstände vor, welche letzteren mit solcher Richtung im 
besseren Einklange standen. Doch hat er auch in der Zeit zunächst 
nach Rafaels Tode, in welcher der Geist des Meisters und die Umgebung" 
seiner Werke noch einen näheren Einfluss auf ihn ausübten, manch ein 
bedeutendes und im Allgemeinen würdiges kirchliches Bild geliefert, so 
namentlich: das Bild der Steinigung Stephani in S. Stefano zu Genua; 
eine Madonna mit Heiligen über dem Hauptaltar von S. Maria deIPAnima 
zu Rom; eine heilige Familie in der Galerie von Dresden, u. A. m. 
In dieselbe Zeit fallen auch einige Freskcmalereien mythischen Inhalts, 
die sich noch durch eine gewisse heitere Anmuth auszeichnen, nament- 
lieh die in der Villa Madama und in der Villa Lante. bei Rom.  Im 
Jahr 1524 ward Giulio nach Mantua berufen; wie sich ihm hier (was 
bereits früher bemerkt ist) ein weites Feld für sein architektonisches Ta- 
lent eröffnete, ebenso ward ihm nunmehr Gelegenheit geboten, auch den 
Reichthilm seiner Phantasie im Fache der Malerei zu entfalten. Grosse 
Paläste wurden von ihm und von den Schülern, die sich alsbald um ihn 
versammelten, mit-Freskomalereien, deren Gegenstand durchaus der An- 
tike angehört, ausgefüllt; doch ist zu bemerken, dass aus diesen Arbei- 
ten, trotz aller Kraft des Talentes, jener edlere und geläuterte Sinn 
immer mehr entschwindet und dass die Auffassungsweise mehrfach bis 
zur Gemeinheit, die Darstellung bis zur Rohheit und Unschönheit gehen. 
Es sind namentlich die Arbeiten zweier Paläste anzuführen: die in dem 
älteren, in der Stadt belegenen herzoglichen Palaste (in einem Zimmer 
des Untergeschosses, dem Uflizio della Scalcheria, Scenen aus der Jagd 
der Diana,  diese noch in einem edleren, an Rafael erinnernden Style; 
in dem Hauptsaale des Palastes die Geschichte des trojanischen Krieges), 
und die in dem Palaste del Te, ausscrhalb der Stadt (zwei Haupträume 
mit dern Sturz der Giganten und mit den Geschichtender Psyche u. a.; 
von letzteren finden sich in der Villa Albani- zu Rom die meisterhaft 
ausgeführten, sorgfältig vollendeten farbigen Entwürfe.) An Staffeleibil- 
dern aus dieser späteren Zeit sind im Allgemeinen nicht viele, und hier- 
unter nur einzelne Arbeiten von Bedeutung vorhanden; ihr Inhalt gehört 
Zumeist ebenfalls der Mythe an.  Giulio's Einfluss auf die Schule von 
Mantua und die der umliegenden Städte, namentlich Crem0na's war bei 
seiner grossen Begabung und seiner äusseren Stellung ein _tief eingreifen- 
dcr und im Ganzen nicht erfreulicher. Doch werden unter seinen Schü- 
lern und Gehülfen bei den Arbeiten in Mantua als tüchtige Künstler 
Rinaldo Mantovano (manche Altarbilder in den Kirchen seiner Va- 
terstadt), Fermo Guisoni und Benedetto Pagni aus Pescia gerühmt. 
Ippolito Andreasi, der bis tief in die zweite Hälfte des Jahrhunderts 
noch malte, hat sich, auf Einwirkungen der Schule von Parma und selbst 
noch des Mantegna gestützt, der Manier Giulio's glücklich zu erwehren 
gewusstf Der bedeutendste Schüler des letztern, Francesco Prim a- 
 
1 Vgl. 
Essai pag? 
Mündlefs 
225 ff.
        

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