Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696340
Räfae] 
Santi und seine Nachfolger. 
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die Verklärung Christi, in der Galerie des Vatikans, die letzte Arbeit 
von Rafaels Hand, erst nach seinem Tode völlig beendet, ein Werk, in 
welchem sich inhaltstiefe Symbolik und dramatisch bewegte Handlung 
zum erhaben poetischen Ganzen verschmelzen. 
Von Bildnissen dieser Periode sind anzuführen: Papst Julius II., 
in der Galerie Pitti (mehrfache Wiederholungen); Papst Leo X. mit zwei 
Kardinälen, in derselben Galerie; die sog. Fornarina, Rafaels Geliebte, 
jugendlicher und fast unbekleidet im Palast Barberini zu Rom (um 1509, 
mehrfach wiederholt), etwas älter und bekleidet in der Galerie Pitti (um 
1518); Johanna von Arragonien, Gemahlin des Ascanio Colonna, im 
Louvre zu Paris (nur der Kopf von Rafael, das Bild häufig wiederholt); 
Bindo Altoviti, in, der Pinakothek von München (mit Unrecht als Ra- 
faels eignes Bildniss bezeichnet); ein Violinspieler im Palast Sciarra zu 
Rom (1518) und das in Auffassung und Behandlung diesem nahe ver- 
wandte Brustbild eines blondlockigen J ünglings, der den Kopf in die Hand 
stützt, im Louvre; ebendort Graf Oastiglione; Kardinal Bibiena und 
Fedra Inghirami, beide in der Galerie Pitti; ein Bild mit zwei Figuren, 
die beiden Venezianer Beazzano und Navagero vorstellend, in der Galerie 
Doria zu Rom; endlich in der Galerie Pitti zu Florenz ein als unbe- 
kannt aufgeführtes Frauenbildniss von hinreissender Schönheit, welches 
fast mit Bestimmtheit als das allerdings idealisirte Bildniss der Fornarina 
bezeichnet werden kann. Bei andern Bildnissen ist die Aechtheit in 
Zweifel zu ziehen oder die Unächtheit erwiesen. 
Endlich brachte Rafael in Rom eine Reihe von Wandmalereien zur 
Ausführung, deren Gegenstand aus dem Gebiet der Mythe des klas- 
sischen Alterthums entnommen ist. Sie entfalten unsern Augen ein 
hohes und heiteres Leben im Genusse der Schönheit, dem Leidenschaft 
und Sorge fern liegen. Hieher gehören namentlich die Malereien in der 
Farnesina: die Galathea (um 1514), und Scenen aus der Geschichte der 
Psyche (etwa 1518-20), die letzteren an der Decke der grossen gegen 
den Garten geöffneten Halle der Villa. Ferner eine Reihe von Gemälden, 
welche das Walten und die Herrschaft der Liebe in der Natur vorstellen, 
im Badezimmer des Kardinal Bibiena im vatikanischen Palaste (Oberge- 
schoss über den Logen; Nachahmungen von diesen, von Giulio Romano, 
in der sog. Villa Spada, auf "dem Palatin). Unter den Malereien der an- 
geblichen Villa Rafaels (jetzt ausgesagt und in die Gal. Borghese versetzt), 
die Hochzeit Alexanders d. Gr. mit der Roxane, nach seiner Composition 
ausgeführt.  U. a. m. 
Unter den Schülern und Nachfolgern Rafaels ' war Giulio 
Pippi, gen. Giulio Romano (1492-1546), der bedeutendste und zu- 
gleich derjenige, welcher sich den ,Styl und die Darstellungsweise des 
Meisters mit vorzüglicher Entschiedenheit anzueignen strebte. S0 bediente 
sich Rafael vorzugsweise seiner, wo es sich um die Ausführung wichti- 
ger Werke handelte. Doch fehlte ihm die Zartheit, die Grazie, der 
keusche Sinn seines Meisters, und seine eigenthümliche Richtung trieb 
Denkmäler 
der 
Kunst,
        

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