Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696320
Rafael Santi und seine Nachfolger. 
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Weise zur Erscheinung gebracht. An den Pfeilern und Wänden der 
Logen ünden sich nur dekorative Malereien, zumeist im Sinne des klas- 
sischen Alterthums behandelt, die aber in Bezug auf den Geschmack der 
Composition, auf die schöne Gemessenheit, in welcher sich die leichten 
Spiele der Phantasie bewegen, auf den schier unermesslichen Reiehthum 
dieser Phantasie, wiederum zu den eigenthümlichsten Werken des Mei- 
sters, überhaupt zu den merkwürdigsten in ihrer Art gehören. Mit der 
Ausführung dieser dekorativen Arbeiten war vornehmlich Giovanni da 
Udine beschäftigt. 
Als drittes grosses Werk sind die Gartens zu den Tapeten zu 
nennen, welche für den Schmuck der sixtinischen Kapelle bestimmt waren. 
Die Fertigung derselben (die wiederum mit Beihülfe der Schüler geschah) 
fallt bald nach dem Regierungsantritte Leo's X. (1513-14); die Tape- 
ten wurden zu Arras in Flandern gewirkt und waren theilweise schon im 
Jahr 1518 vollendet. Den Inhalt ihrer Darstellungen bilden Seenen aus 
der Geschichte der Apostel, um solcher Gestalt die bedeutendsten Mo- 
mente aus der Gründungsgeschichte der Kirche zu vergegenwärtigen; die 
Compositionen sind rein als historisch-dramatische gehalten, aber in einer 
so grossartigen Fassung und Entwickelung der Begebenheiten, dass hier 
die Olassicität des rafaelisehen Styles auf ihrem Höhepunkte zu stehen 
scheint. Die Tapeten, zehn an der Zahl, werden gegenwärtig im Vatikan 
aufbewahrt; von den Gartens sind sieben erhalten und im Schlosse 
Hamptoncourt in England befindlich; unter den Hauptdarstellungen 
jener sind noch kleine einfarbige Sockelbilder, theils gleichfalls Scenen 
der Apostelgeschichte, theils Scenen aus dem Leben Leo's X. enthaltend.- 
Ausserdem ist im Vatikan noch eine zweite Folge von Tapeten vorhan- 
den, auf denen Begebenheiten aus dem Leben Christi dargestellt sind. 
Sie sind vermuthlioh erst nach Rafaels Tode ausgeführt, und scheinen 
nur  obschon auch unter ihnen grossartig schöne Compositionen vor- 
kommen  nach kleineren Zeichnungen des Meisters gefertigt zu sein; 
einige auch erscheinen so abweichend in der Auffassung und im Style, 
dass man bei ihnen wohl gar nicht an ein Vorbild seiner Hand denken darf. 
Diesen drei grossen Werken sind zunächst ein Paar kleinere 
Wandmalereien anzuschliessen, die Rafael für römische Kirchen lieferte: 
das Bild des Propheten Jcsaias in S. Agostino (1512, eine nicht eben 
günstige Nachahmung des Styles des Michelangelo verrathend); und die 
schöne Darstellung von vier Sibyllen mit Engeln in S. Maria della, Pace 
(1514).  Neben ihnen die Zeichnungen für die Mosaikgemälde der Kup- 
pel einer Kapelle in S. M. del Popolo, das Planetensystem darstellend 
(1516), sowie die geringen Ueberreste von Fresken (das Marterthum der 
h. Felicitas), bisher in dem kleinen Jagdschloss la Magliana, unweit 
Rom (1518-20), gegenwärtig abgenommen. 
Sehr bedeutend ist sodann die Anzahl der in Oel gemalten Staffe- 
leibilder, Madonnen, heilige Familien, andere midachtsbilder, grössere 
Altargemälde und Bildnisse umfassend. Ich führe dieselben nach diesen 
Rubriken auf, indem auch hier die Folge der einzelnen Werke zur Be- 
zeichnung der im Obigen angegebenen Entwiekelungsmomente dient. 
A18 Madonnen mit dem Kinde, dem sich häuiig auch der kleine Jo-
        

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