Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696281
Rafael Santi und seine Nachfolger. 
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London; drei Rundbildchen (Christus und zwei Heilige), dem Könige 
von Preussen gehörig, im Berliner Museum.  Sorglicher, als selbstän- 
dige Bilder ausgeführt: die Vision eines Ritters (der Ritter schlafend, 
.zwei Frauen, Lebensernst und Lebenslust, zu seinen Seiten) in der Na- 
tional-Galerie zu London; Brustbild eines Jünglings, in der Sammlung 
des Königs von England zu Kensington. Dann einige Bilder, die 
Rafael nach Vollendung -der Vermählung der Maria im Jahr 1504 zu 
Urbino ausgeführt: Christus am Oelberge, ehemals bei der Familie Ga- 
brielli zu Rom, jetzt in England im Privatbesitz; St. Michael und 
St. Georg mit dem Schwert, beide im Pariser Museum. (Die Zeit dieser 
beiden Bilder wird zum Theil auch etwas später gesetzt.)  Endlich 
gehören in diese Periode noch die (sehr zweifelhaften), um 1503 gefer- 
tigten Zeichnungen zu Zweien von den Gemälden der Libreria des Do- 
mes von Siena, deren Ausführung Pinturicchio besorgte. (Die eine 
im Museum von Florenz, die andere im Hause Baldeschi zu Perugia.) 
Im Herbste des Jahrs 1504 machte Rafael einen Besuch in Flo- 
renz, der für die Umwandlung seines künstlerischen Strebens entschei- 
dend wurdeß Zwar verweilte er nicht lange, doch kehrte er nach einiger 
Frist wiederum zurück und blieb nun, etwa bis in die Mitte des Jahrs 
1508, daselbst. Von der Zeit jenes ersten Besuches ab beginnt sein 
Styl sich wesentlich zu verändern; ohne zunächst zwar die umbrische 
Auffassungsweise aufzugeben, bestrebt er sich doch, seine Gestalten in 
volleren, würdigeren Formen zu behandeln; dann verschwindet allmälig 
jener schwärmerische, zum Sentimentalen sich neigende Zug, der das 
Eigenthum der Schule des Perugino ist, aus seinen Bildern, und mehr 
und mehr wendet er sich der heitern Naivetät der Florentiner, selbst 
ihrer realistischen Auffassung zu, wobei jedoch zugleich sein eigenthüm- 
liches Stylgefühl sich auf eine immer klarere Weise bemerklich macht.- 
Als Bilder aus der ersten Zeit dieser Periode, von "vorwiegend um- 
brischer Auffassungsweise, sind zu nennen: Ein Altarbild, auf 
der Haupttafel eine Madonna mit vier Heiligen, in der Lünette (dem 
Halbrund über letzterer) Gottvater mit Engeln, für S. Antonio di Padua 
in Perugia. gemalt, jetzt im Kgl. Schloss (zu Neapel befindlich; das 
Werk, verschiedenartig in seinen verschiedenen Theilen, scheint vor der 
ersten iiorentinischen Reise begonnen und nach derselben beendet. Die 
Bilder der Predella sind in englischen Galerien verstreut; doch rühren 
unter diesen nur zwei von Rafael selbst her, die Kreuztragung (zu 
Leightcourt) und die Klage über den Leichnam Christi (zu Baron- 
lhill).  Eine Altartafel, Madonna und zwei Heilige, aus S. Fiorenzo in 
Perugia, gegenwärtig zu Blenheim in England (1505); das Mittel- 
bild der Predella, Predigt des Täufers Johannes, zu Bowood in Eng- 
land. Mit letzterem nahe verwandt das vorzügliche Bildchen eines auf- 
erstandenen Christus ehemals bei Graf Paolo Tosi, jetzt in der städti- 
1 In die Zeit dieses ersten ilorentinischen Aufenthaltes Rafaels fällt dßß mit 
der J ahrzahl 1505 bezeichnete (wahrscheinlich von Pintmicchio bei-rührende) Abend- 
mahl in dem ehemaligen Nonnenkloster S, onßffiß zu Florenz (Via Faenza, 
N0. 4771.) Die Gründe, um derentwillen wir dieses Werk bis auf weitere Beweise 
Rafael nicht beilegen können, s. in unserer Geschichte der Malerei, Bd. I, S. 567.
        

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